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1  Local / Mining (Deutsch) / Bitcoin Mining und der Stromverbrauch. Überhaupt sinnvoll? on: February 03, 2022, 04:08:18 PM
Da ich mir schon seit geraumer Zeit über den Stromverbrauch und den damit verbundenen CO2-Ausstoß von Bitcoin Gedanken mache, und im deutschsprachigen Teil des Forums (Mining) keinen eigenen Thread hierzu finden konnte, dachte ich mir, ich nutze mal die Gelegenheit um einige mir bekannte Fakten dazu aufzuzeigen. Anschließend dann noch ein paar Überlegungen von mir, was zukünftig Auswirkungen auf die Herkunft des verwendeten Stroms zum Mining haben könnte, und welche äußeren Einflüsse (insbesondere die Konkurenz der Miner untereinander) sich wie auf den Stromverbrauch niederschlagen könnten. Ganz zum Schluss noch eine kurze Zusammenfassung, warum für mich persönlich Bitcoin einen hohen Stellenwert im digitalen Zeitalter einnimmt. Man könnte darauf noch weiter eingehen, es sind nur die für mich wichtigsten Punkte aufgeführt.

Aktuell vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendwo in den Medien kritisch über den Stromverbrauch von Bitcoin berichet wird. Auch ich denke, dass das einer der berechtigtsten Kritikpunkte ist, allerdings muss man sich das ganze dann doch etwas genauer ansehen, als das Medien meistens tun, um sich ein Bild darüber zu machen, wie schlimm es wirklich ist. Dazu müssen wir uns als erstes die Frage stellen, wie viel Strom das Mining denn nun benötigt. Hierzu kann man nur Schätzungen treffen, indem man von der Hashrate und dem aktuellen Schwierigkeitsgrad auf die Anzahl an Minern weltweit schließt. Einige Mining-Farmen veröffentlichen ihre Daten hierzu, was es natürlich einfacher und genauer macht. Die beste Quelle, welche mir hierzu bekannt ist, ist der "Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index", welcher laufend aktualisiert wird. Hier kann nachgesehen werden, wie hoch in etwa der Stromverbrauch des ganzen Bitcoin Netzwerks aktuell ist, und wie hoch er für das ganze Jahr geschätzt wird. Zum Zeitpunkt meines Beitrags befinden wir uns gerade bei einem Verbrauch von etwa 14,90 GW. Der jährliche Stromverbrauch wird auf 130,57 TWh geschätzt. Unter dem Reiter "Comparison" können wir uns auch die jährliche geschätzte Elektrizitätsproduktion (26.730 TWh), sowie den Verbrauch (22.315 TWh) ansehen. Zudem auch die gesamte Produktion an Energie (167.716 TWh) und den letztendlichen Verbrauch (115.575 TWh). Darunter sehen wir, dass Bitcoin laut dem Index etwa 0,59% Anteil am Strom, und 0,29% Anteil an der Energie hat. Für mich ist es hier nicht ganz verständlich, wieso der prozentuale Anteil am Stromverbrauch und dem Energieverbrauch berechnet wird, anstatt jeweils den prozentualen Anteil der produzierten Menge zu berechnen. Rechnen wir also mit dem jährlichen Verbrauch von 130,57 TWh des Bitcoin Netzwerks und schauen uns an, wie viel Bitcoins Anteil an der produzierten Strommenge ausmacht, kommen wir auf etwa 0,49%. Da die Stromproduktion wiederum nur einen Teil der Energieproduktion ausmacht, berechnen wir auch diesen Anteil und kommen darauf, dass Bitcoin ca. 0,078% der produzierten Energie weltweit benötigt. An den globalen CO2-Emissionen ist der Energiesektor wiederum mit etwa 30-42% beteiligt. Weiß man also den Energiemix von Bitcoin, kann man die CO2-Emissionen am Energiesektor ausrechnen und dann wiederum berechnen, wie groß der prozentuale Anteil an allen Emissionen weltweit ist. Es gibt natürlich noch andere Gase die ebenfalls Einfluss auf das Klima haben, aber wir schauen jetzt mal nur auf CO2.

Hier der Link zur Homepage: https://ccaf.io/cbeci/index

Coinshares hat zum Januar 2022 auch einen Bericht veröffentlicht, in welchem genau darauf eingegangen wird. Diese stellen fest, dass nach ihren Daten die globale Energieproduktion 162.194 TWh beträgt, von denen Bitcoin 89 TWh ausmacht. Das wären dann also etwa 0,05% Anteil von Bitcoin, gemessen an der produzierten Energiemenge. Sie berechnen außerdem, dass Bitcoin für etwa 0,08% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist. Interessant ist es, sich auch den Energiemix anzusehen. Dazu gibt es mehrere anschauliche Grafiken im Bericht.

Hier ein kleiner Auszug: "As of December 2021, we estimate the relative contributions of coal, gas, hydro, nuclear and wind at 35%, 24%, 21%, 11%, and 4%, respectively. The remaining generation of 5% is a mixture of small amounts of oil, solar, and other renew-ables (mainly geothermal)."

Link zur PDF: https://coinshares.com/research/bitcoin-mining-network-2022

Relevant wäre dann natürlich noch, wie viel Strom, welchen Bitcoin verwendet, tatsächlich auch für Bitcoin produziert wurde und wie viel CO2-Ausstoß Bitcoin fälschlicherweise zugerechnet wird. Aus ökonomischen Gründen gibt es genug Anreize, auf Strom zurückzugreifen, welcher aus überschüssigen Quellen stammt oder gestrandet ist und anderswo keine Verwendung findet (problematisch sind aber natürlich die vielen Staaten, in welchen Kohlestrom staatlich subventioniert wird. Im Bezug auf Bitcoin wäre das z.B. Kasachstan, wo doch schon sehr viel Mining stattfindet).

Wir haben also zum einen überschüssigen Strom, welcher von erneuerbaren Energien stammt aber mangels Speicherlösungen nicht überall gespeichert werden kann (wofür sich dann natürlich Bitcoin Mining anbietet, da es überall auf der Welt stattfinden kann). Zum anderen haben wir mit Sicherheit auch Kohlekraftwerke, Atomkraftwerke etc., die ihre Strompoduktion nicht 1:1 an der erwarteten Bedarsmenge orientieren können, da sie nicht genau wissen, zu welche Zeit wie viel Strom benötigt wird und ob es nicht aus welchen Gründen auch immer plötzlich einen etwas höheren Bedarf wie üblich gibt. Wenn aufkommt, dass zu viel Strom da ist, wird er günstig zum Verkauf angeboten. Da es dann häufig außer Minern keine Abnehmer gibt, macht es auch hier Sinn zu minen. Es wäre falsch, den verursachten CO2-Ausstoß hier nun Bitcoin zuzurechnen, da er ja auch ohne Bitcoin entstanden wäre. Fragt sich nur, wie oft das in der Praxis geschieht. Auf der anderen Seite werden sicher auch einige Kohlekraftwerke oder andere Energieerzeuger gezielt Bitcoin-Miner in der Berechnung miteinbeziehen und produzieren extra deswegen mehr Strom oder können sogar nur wegen ihnen am Leben gehalten werden. Was mir sonst noch einfällt, wäre freigesetzte Gas, meiner Meinung nach Methan, welches bei der Förderung von Öl freigesetzt wird. Dies wird oft an Ort und Stelle verbrannt, da ein Abtransport nicht rentabel wäre und vor Ort nichts damit anzufangen ist. Es ließe sich aber an Ort und Stelle auch Strom produzieren, der von Minern genutzt werden kann. Andere Verbraucher kommen kaum in Frage, da so abgelegen und ohne Zivilisation ja kein sonstiger Nachfrager da ist. Hier siedeln sich gerade in den USA große Mining-Farmen an. Auch hier wieder die Tatsache, dass das Gas und der verbundene Schadstoffausstoß auch ohne die Miner stattfinden würde. Er wäre sogar höher, da das Gas sonst verbrennt wird und enorm hohe Schadstoffe freisetzt. Falls man das Gas für die Stromproduktion nutzt, kann der Ausstoß um etwa 63% reduziert werden, im Vergleich zum einfachen verbrennen (Gas Flaring). In so einem Fall also win-win. Wünschenswert wäre natürlich, dass Gas gar nicht erst freigesetzt wird und kein Öl gefördert wird, aber an dem Punkt sind wir realistisch gesehen noch lange nicht. Fairerweise benötgen Miner natürlich auch viele Rohstoffe, es muss viel Erdreich bewegt werden hierfür und es entsteht Elektroschrott, woran man auch denken muss. Es ist allerdings schwer den Einfluss davon zu messen.

Energiemix Bitcoin:

Wie genau lässt sich das bemessen und in wie vielen Statistiken wird der regionale oder nationale Energiemix des Stromnetzes angegeben und anhand dessen dann darauf geschlossen, wie der Energiemix der Bitcoin-Miner vor Ort ist, wenn keine anderen Daten vorliegen? Also wenn ein Land einen Energiemix von angenommen 20% erneuerbaren Energien und 80% konventionellen Erzeugern hat, rechnet man das dann dementsprechend auch so um und kommt zur Fehlannahme, dass das dortige Mining auch nur 20% erneuerbare Energien nutzt? Aus ökonomischer Sicht gibt es - wie bereirs erwähnt und weiter unten noch mal erklärt, Grund zur Annahme, dass der Energiemix des Bitcoin Netzwerks tendenziell besser ist, als der regionale durschnittliche Mix des jeweiligen Landes.

Nun einige Annahmen von mir:

Langfristig finden sich sicher Lösungen, die überschüssige Energie besser zu speichern oder anderweitig zu nutzen, wie z.B. die Produktion von synthetischem Erdgas oder das Laden von Akkus der Elektroautos, um damit Zeiten zu überbrücken, in welchen keine Sonne scheint und kein Wind geht (bezogen auf den Weg, den Deutschland einschlagen wird). Mit mehr erneuerbaren Energien steigen natürlich trotzem die Überkapazitäten in Zeiten von viel Wind und viel Sonne an, sodass ich mir nicht vorstellen kann, dass hier immer und überall alles dafür genutzt werden kann, um die beiden oben genannten Dinge zu tun. Die vorhandene Strommenge wird zukünfitg nach Schätzungen einiger Energieexperten Phasenweise auf etwa die 200-300 prozentige eigentlich nur benötigte Menge steigen (Deutschland). Pumpspeicherwerke kommen geographisch nicht überall in Frage und die Produktion von Wasserstoff durch Elektrolyse ist sehr ineffizient und es fragt sich wenn auch, was man danach damit anstellen würde. Wenn man davon ausgeht, dass in den nächsten Jahren auch global immer mehr erneuerbare Energien im Einsatz sind, wird sich meiner Ansicht nach ein Weg finden, um dort Mining zu betreiben, wo nicht verwendbare, überschüssige grüne Energie vorhanden ist. Gerade in Regionen, in welchen es eine hohe Anzahl an Sonnenstunden gibt und häufig der Wind weht.

Die Zeiten mit Flatrate-Tarifen beim Strom werden mit einem höheren Anteil an erneuerbaren Energien wohl auch zu Ende gehen. Intelligente Lösungen müssen gefunden werden, um möglichst dann Strom zu verwenden, wenn viel davon vorhanden ist (Akkus laden, synthethische Gasproduktion etc.).

Schon jetzt ist fürs profitable Mining von Bitcoin der Strompreis extrem relevant. Da das Mooresche Gesetz gebrochen scheint, und sich die Anzahl der Transistoren  pro Fläche wohl nicht mehr alle zwei Jahre verdoppelt, wird sich die Entwicklung im IT-Sektor (Hardware) höchstwahrscheinlich verlangsamen, wovon auch Bitcoin-Miner nicht ausgenommen sind. Somit sollten Miner zukünftig länger im Betrieb sein und nicht mehr so häufig auf schnellere Geräte gewechselt werden. Das sollte den Fokus noch stärker auf die Strompreise wandern lassen, da die Profitabilität ja durch ein Hardware-Upgrade nicht mehr so leicht gesteigert werden kann. Andere Kosten wie Lagerhalle/Container, Personal, Kühlung etc. machen wohl eher einen kleinen Teil der Gesamtkosten aus. Wenn also alle Miner noch mehr darauf aus sind, günstigeren Strom zu finden als bisher, sollte der Fokus noch stärker auf überschüssige und gestrandete Energie fallen und der Druck für solche, die sich bisher nicht darum kümmern, wird noch größer. Wogegen fossile Energieerzeuger es immer schwerer haben werden. Langfristig kann aber nichts günstiger sein als erneuerbare Energien. Die Herstellkosten für Kohlestrom beispielsweise liegen meines Wissens bei etwa 0,02$/kWh. In einem Podcast mit Philip Salter (Mitarbeiter eines Mining-Konzerns) habe ich neulich gehört, dass Mining im großen Stil wohl schon jetzt nur noch bis zu Preisen von etwa 0,06$/kWh rentabel ist. Wenn man noch berücksichtigt, dass durch den Wegfall von Flatrate-Tarifen die Nachfrage noch höhere Auswirkungen auf den Strompreis hat, müssten also die Kosten an Orten mit viel Nachfrage von Industrie und Endverbrauchern schnell so hoch steigen, dass die Opportunitätskosten nicht mehr tragbar wären. Auch aktuell sind Strommärkte mit viel Industrie und Endverbraucher schon nicht lukrativ, da sie immer die teuersten Märlte sind (Stromerzeugung erfolgt eher außerhalb der Städte, längerer Transportweg, Nachfrage etc.). Immerhin gibt es kaum Unternehmen, welche so schnell ihren Standort wechseln können wie Bitcoin-Miner, die nicht auf lokale Kunde angewiesen sind und auch kaum andere Mittel an Ort und Stelle des Minings bis auf Strom brauchen. Viel Personal ist auch nicht ständig vor Ort nötig. Die steigende difficulty und geringerere Block-Subsidiy spielen auch stark mit rein, fragt sich nur, in wie weit der Preis mit geringerer Blockbelohnung zukünftig steigt. So denke ich, dass die ganze Situation es immer schwerer macht, mit anderen Minern mitzuhalten und wer nicht bemüht ist seinen Standort ggf. oft zu wechseln, wird aus dem Markt verdrängt.

Es ist ja im Miningsektor eine Besonderheit, die man vielleicht erwähnen sollte. Fast jeder hier im Forum wird das wissen, aber vielleicht gibt es ja auch neue Leser, für die das eine wichtige Erkenntnis ist: Wenn wir uns andere Wirtschaftsbranchen ansehen, dann konkurrieren die Unternehmen (vorausgesetzt es sind freie Märkte) natürlich auch untereinander und ein stärkerer Konkurrent wird, falls er sein Geschäft vergrößert, langfristig eventuell den eigenen Absatz schmälern. Sehen wir uns das aber beim Bitcoin-Mining an, dann kommt das nochmal stärker zum tragen. Hat angenommen eine Mining-Farm (nicht zu verwechseln mit Pool) einen Anteil an der Hashrate von 10% und der Konkurrent hat viel günstigere Strompreise oder bessere Miner, dann unterscheidet sich die Profitabilität in viel erheblicherem maße, als das in anderen Sektoren der Fall ist. Wenn sich also der Konkurrent dadurch schneller vergrößert, dann werden trotzdem nicht mehr Bitcoin geschürft und der bessere findet nicht einfach nur mehr Blöcke, sondern der Schwierigkeitsgrad erhöht sich durch mehr gesamte Rechenleistung für beide, was also dem "abgehängten" Konkurrenten bei gleichbleibender Rechenleistung einen geringeren prozentualen Anteil bringt und sich so auswirkt, dass sich der eigene Gewinn schmälert. In anderen Branchen würde sich natürlich auch der prozentuale Anteil an einem Markt verringern, wenn der Konkurrent sich vergrößern kann, aber der Gewinn/Umsatz könnte trotzdem unter Umständen erstmal genauso hoch bleiben, da der andere Konkurrent nicht zwangsläufig Kunden des anderen abwirbt. Also kurz gesagt: unterscheiden sich die Strompreise stark, macht der andere nicht einfach mehr Gewinn als man selbst, sondern man verdient auch sehr schnell viel weniger als zuvor, wenn man nicht bereit ist zu handeln.


Kann Bitcoin Mining erneuerbare Energien fördern?

Das ist auch ein Thema, was mich interessiert und ich aber noch keine wirkliche Meinung bilden konnte. In der Therie hört es sich gut an, dass Miner eben mit Produzenten kooperieren oder Energieerzeuger selbst eigene Miner haben, um überschüssigen Strom zu nutzen. Dadurch könnte ein monetärer Wert generiert werden, um damit dann Zeiten ohne Wind und Sonne zu überbrücken und einen Betrieb ohne staatliche Subventionen möglicherweise erst rentabel machen. Weiß jemand was hierzu? Habe auch dazu mal einen Podcast eines Mitarbeiters eines Energiekonzerns gehört, welcher erneuerbare Energien in Afrika damit fördern möchte bzw. schon damit begonnen hat. Finde ihn aber leider nicht mehr.

Wie schlimm ist nun der Stromverbrauch und wie können wir ihn bewerten?

Meiner Meinung nach ist das extrem schwer zu beurteilen und stark subjektiv. Wir leben in einer Zeit, in der wir uns immer mehr damit beschäftigen müssen, wie wir unseren Strom erzeugen und welche Verbraucher wir benötigen. Im Grunde steht und fällt also jeder Stromverbrauch mit dem verbunden Nutzen. Da jeder Nutzen subjektiv ist, sieht jemand, der keinen Nutzen in Bitcoin sieht, logischerweise auch keinen Nutzen in dessen Stromverbrauch. Für manche Dinge sehen sehr viele Menschen einen Nutzen, was den Nutzen wichtiger wirken lässt. Für manche andere eben nicht. Sollten wir also nun beginnen, Dinge zu verbieten, nur weil die Masse keinen Nutzen darin sieht? Ich denke wir wären schnell an einem Punkt, an dem früher oder später auch Dinge verboten werden, die wiederum einem Befürworter eines Bitcoin-Verbots wichtig sind. Wie soll sich das mit einer Demokratie vereinbaren lassen? Überhaupt lässt sich langfristig ein Verbot kaum umsetzen, da zwar Computer alles nötige ausführen, im Grunde aber nicht mehr als informationen verarbeitet werden, für die nicht zwingend Computer erforderlich wären, genauso wenig wie das Internet. Sie tun es lediglich am effizientesten in unserer aktuellen Welt. Einen gutes Video bzgl. einem Verbot und entstehenden Problemen hänge ich unten an.

Der Nutzen wird öffentlich viel zu wenig betrachtet und wir sprechen fast nur über die negativen Aspekte. Bitcoin wird mit Krypto generell gleichgesetzt und alles ist nur "das schnelle Geld" ohne rücksicht auf Verluste und Umwelt. Wobei man merken würde, dass es den wenigsten, die sich länger mit Bitcoin beschäftigen, darum geht. Es ist eher das Gegenteil und könnte zu einem bremsen unserer ungezügelten Konsumgesellschaft verhelfen. Man muss einfach sehr viel Zeit investieren, um Nutzen und Potenzial zu erkennen. Vor allen Dingen, Bitcoin von anderen Krypto's zu unterscheiden, was auf den ersten Blick gleich wirkt. Darauf möchte ich jetzt aber nicht eingehen, eventuell gibt es hierzu mal einen eigenen Thread. Vielleicht hilft es uns, uns auch mal andere Bereiche anzusehen. Wir haben z.B. allein in den USA einen Strombedarf durch Stand-by Geräte, der in etwa so hoch ist, wie der Strombedarf des gesamten Bitcoin Netzwerks. Ebenso verhält es sich mit der Weihnachtsbeleuchtung in den USA. Wie hoch ist also der Nutzen hiervon? Geräte werden aus Faulheit nicht ausgeschalten und die Weihnachtsbeleuchtung erfüllt einen rein kosmetischen Zweck. Ebenso gehen in etwa 50.000 TWh der weltweiten Energieproduktion jährlich aufgrund von Ineffizienz verloren. Was grob 30% entspricht. Also wie hoch ist nun der damit verbundene Schadstoffausstoß? Zur Erinnerung: Bitcoin benötigt etwa 130 TWh. Selbst wennn wir andere Daten nehmen, kommen wir aktuell auf maximal 200 TWh.

Wie ausgewogen ist also die Berichterstattung in den Medien, und in welchem Verhältnis steht die Aufmerksamkeit des Stromverbrauchs in Bezug auf Bitcoin und sonstigen anderen von mir erwähnten Dingen, wenn man es in Relation setzt? Warum fangen wir nur bei Bitcoin an, den Stromverbrauch mit dem anderer Länder zu vergleichen? Warum wird Menschen eine so große Bühne geboten, die Bitcoins Stromverbrauch auf eine Transaktion herunterbrechen, diesen mit Visa vergleichen und das auch noch als guten Vergleich sehen, um zu beweisen, wie viel effizienter Visa ist? So als ob Visa ohne massiven Stromverbrauch durch den USD, Euro, etc, die darauf bewegt werden, funktionieren würde. Bitcoin ist eben nur der Basislayer, auf dem wiederum andere 2nd Layer Technologien basieren, welche den Energiebedarf auf dem Basislayer nicht erhöhen. Es gibt noch nicht einmal eine Korrelation zwischen der Anzahl an Transaktionen und dem Strombedarf. Sobald man noch erwähnt, dass dieser Mann Ökonom ist, dann wird ihm gleich noch mehr Bedeutung beigemessen, was den Vergleich nicht weniger schlecht macht, eher im Gegenteil.

Es verhält sich bei allen neuen Technologien gleich: die Masse erkennt den Nutzen nicht, wehrt sich dagegen, Interessensgruppen, die sich von neuen Technologien bedroht fühlen, schreien nach verboten oder verbreiten Falschinformationen. Es war bei der Erfindung des Autos, der Elektrizität, Computern, Internet, Email, Online-Handel und vielen anderen Dingen genau gleich. So sagte auch Bill Gates noch 1993, dass das Internet sich nie durchsetzen wird. Und als Amazon in die Offensive ging, schrieben die Zeitungen: "Dig more coal, the PCs are coming!". Es ist einfach nicht wirklich vorstellbar, was Dezentralität ermöglicht und welches enorm wichtige Gegengewicht es gegen Konzentration von Macht in den Händen weniger darstellt, wenn die Digitalisierung weiter voranschreitet. Wir hatten schlichtweg bisher noch nichts vergleichbares.

Ich möchte hier nicht den Stromverbrauch beschönigen, es ist ein valider Kritikpunkt, aber wenn, dann sollte man objektiv Kosten/Nutzen abwägen, und dafür muss man schon mal mindestens 100h Zeit in Bitcoin investiert haben, um eine grobe Ahnung davon zu haben, was wohl kaum ein Journalist von sich behaupten kann. Dementsprechend sieht dann auch die Berichterstattung aus. Überhaupt sind Medien immer darauf aus, etwas zu veröffentlichen, was ihnen viele Aufrufe bringt. Negatives und spektakuläres ist dafür geeigneter, als etwas positives zu berichten, was die Meinung der Gesellschaft zu allen Themen stark verfälscht. Ein guter Buchtipp hierzu: Factfulness, Hans Rosling.

Nun, sollte man also zum Entschluss kommen, dass man keinen Nutzen darin sieht, ist das ja völlig in Ordnung. Auch wenn man sich gar nicht damit beschäftigen möchte, ist das völlig in Ordnung. Auffallend ist nur, dass die größten Kritiker meistens nicht mal Ansatzweise verstehen, wie Bitcoin funktioniert und welche Möglichkeiten die Technologie bietet.

Eine neue Erfindung erfordert es ja schon mal, dass man in anderen Dimensionen denkt, als die Masse es tut, um ein Problem zu lösen. Wenn die Masse darauf stößt, versucht sie es mit ihnen bekannten Dingen zu vergleichen, damit es greifbar ist und eingeordnet werden kamm. Finden sie keinen geeigneten Vergleich oder sehen nicht, welches Problem gelöst werden soll, liegt die Vermutung nahe, dass man die Erfindung für sinnlos hält. Ich würde also soweit gehen, dass eine disruptive Technologie aussschließlich dann eine solche sein kann, wenn die Masse anfangs starke Abneigung dagegen zur Sprache bringt. Insbesondere, je mehr es auf den Kopf stellen würde. Denn: erkennt die Masse das Potential von Beginn an, muss es sehr starke parallelen zu allem ihnen schon bekannten aufweisen, was die Erfindung nicht zu einer wirklichen Innovation machen würde.

Was natürlich aber damit nicht beweist, dass Bitcoin eine solche ist. Cheesy

Why Bitcoin?

Legal eingesetzte Staatstrojaner, geplante Vermögensregister, die Aussicht auf digitale Zentralbankwährungen mit wiederum sehr schlechten Aussichten auf Privatsphäre und die Kenntnis darüber, dass jede zweite menschliche Interaktion den Austausch von Geld beinhaltet, die Obergrenzen für Bargeld nach und nach reduziert werden, sollte einen dazu anregen, über die Macht, die Regierungen zukünftig zufließt, nachzudenken. Digitale Algorithmen sind schon jetzt so stark, dass es kaum vorstellbar für uns ist. Sie können unsere zukünfitgen Entscheidungen schon jetzt teilweise besser vorhersehen, als wir das SELBST! können. Die Geschichte zeigt, dass Menschen ihre Macht ausspielen, wenn sie dazu in der Lage sind. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Menschen in hohen politischen Positionen an und für sich zumeist keine bösen Absichten haben. Es ist das System und die Möglichkeiten, in welches sie gebracht werden, was sie dazu bringt, diese zu nutzen. Vielen ist das vorher vermutlich selbst nicht bewusst. Die Einschränkung von Privatsphäre hat niemals zu Verbesserungen innerhalb unserer Gesellschaft geführt. Was kann man tun, wenn man über sämtliche Zahlungsströme aller Bürger über einen Zeitraum von mehreren Jahren Einblick hat? Wie sehr schadet es der Demokratie? Inwieweit wird es auf Knopfdruck möglich, sämtliche nicht erwünschte Zahlungen zu blockieren und Demonstrationen/Proteste zu unterbinden? Wie sicher ist man sich, dass zukünftige Regierungen immer im Interesse der Bürger handeln, selbst wenn man es aktuell so sieht? Was ist, wenn Hacker an die Daten kommen? Wie könnte es unsere Gesundheitssystem und dessen Beiträge beeinflussen, wenn sämtliche Aktivitäten bekannt und in zentraler Hand sind? Inwieweit können Bürger unbewusst politisch beeinflusst werden, wenn nahezu alle Informationen bekannt sind und alle Schwachpunkte der einzelnen Bürger genutzt werden können, über die sie sich nicht einmal selbst bewusst sind? Wie können regierende politische Gegner kontrollieren und ihnen falsche Beweise unterjubeln, um sie einer nicht begangenen Straftat verantwortlich zu machen? Das ermöglicht Kontrolle in Ausmaßen, die selbst die schlimmsten Machthaber der Geschichte bisher nicht hatten. Wer das alles für unrealistisch hält, sollte sich ins Jahr 2019 zurückversetzen, und sich die Frage stellen, ob er Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen in westlichen Ländern für möglich gehalten hätte (ohne die Notwendigkeit zu Werten).

Bitcoin ist by design nicht anonym, aber es ermöglich darauf aufbauende Technologien, die die Privatsphäre auch im digitalen Zeitalter wahren können und Möglichkeiten gegen zensur bieten. Darunter fallen auch dezentrale Anwendungen, die keinen rein monetären Nutzen erfüllen. Dass wir Zentralbanken und Politiker dazu bringen, CBDCs in Deutschland und der EU doch nicht einzuführen, halte ich für unrealistisch. Dass diese kommen und es Möglichkeiten zur anonymen Zahlung gibt, halte ich für noch unrealistischer. In meinen Augen ist die weitere Digitalisierung (worunter zwangsläufig auch das Geld fällt) absolut nicht zu stoppen und es bleibt langfristig nur die Entscheidung, ob wir Macht weiter zentralisieren, oder dezentralisieren wollen, um die Menschrechte der Bürger auch im digitalen Zeitalter zu wahren und ihnen eine Stimme zu geben. Also, was bleibt außer Bitcoin? Ob es als Währung taugt oder nicht, wird man sehen müssen. Es gibt gute Argumente für die Notwendigkeit von inflationären Währungen, aber auch für deflationäre. Also egal wie es kommt, es schafft zumindest eine Alternative, und wenn es nur der Wertspeicher ist. So sehr ich auch darüber nachdenke, eine andere kann ich nicht erkennen. Die Bürger sollten frei darüber entscheiden, was sie in welchem Umfang nutzen möchten. Bitcoin kann unmöglich all das lösen, aber zumindest ist es ein Gegenpol. Natürlich stellen hier auch große Unternehmen wie Google, Amazon etc. eine Gefahr dar. Es soll auch keine Hetze gegen unseren Staat sein, sondern einfach nur Gefahren aufzeigen.

Heutzutage erreicht man eine Abneigung in der Gesellschaft am leichtesten, wenn man nur oft genug die Worte Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Klimakiller erwähnt. Nicht dass diese Dinge nicht schlecht wären, aber sie stehen in keinem Verhältnis zu den Handlungen, die umgesetzt werden oder geplant sind, und damit die Privatsphäre immer weiter untergraben. Dazu dann noch die Problematik, dass viele Bürger die Einstellung haben, dass sie nicht kriminell sind und deshalb die Einschränkung der Privatsphäre nicht schlimm ist.

Zum Ende noch ein paar Buchempfehlungen, die zu den erwähnten Themen passen und zum nachdenken anregen:
- Permanent Record, Edward Snowden
- 1984 und Farm der Tiere, George Orwell
- Schöne neue Welt, Aldous Huxley
- The Circle, Dave Eggers (Ähnlich dystopisch wie Orwell und Huxley, allerdings mit direktem Bezug auf die Digitalität)
- Factfulness, Hans Rosling (Falschannahmen und verzerrte Vorstellungen in der Gesellschaft durch die Manipulation durch Medien)
- Psychologie der Massen, Gustave Le Bonn
- Homo Deus, Yuval Noah Harari (Insbesondere eine seiner letzten Fragen: Was passiert mit unserer Politik, unserer Gesellschaft und unserem zwischenmenschlichen Zusammenleben, wenn unbewusste, aber digitale Algorithmen mehr über uns wissen, als wir selbst?)
- Der Luzifer Effekt, Philip Zimbardo
(Stanford Prison Experiment, Abu Ghraib Gefangenenlager Irak. Sehr detaillierte Ausfühungen eines Psychologen, wie Menschen durch geschaffene Systeme böse Dinge tun. Es handelte sich beim überwiegenden Teil der Probanden am SPE um Studenten, die alle vor dem Experiment nicht polizelich bekannt waren. Ebenfalls konnte im früheren Leben der Soldaten (Gefängniswärter) im Abu Ghraib Gefangnis nicht darauf geschlossen werden, dass sie böse Absichten hatten. Man kann hier durchaus paralleln ziehen, wie sich das mit CBDs und Staatstrojanern verhalten könnte).


Hier noch ein paar wirklich sehr gute Podcasts/Videos zum Thema, wie ich finde:

- Bitcoin Verstehen mit Stefan (Honigdachs-Podcast) zu Gast: https://open.spotify.com/episode/5CDSKbcV4ddlLoAbjppKct?si=42aca6f127fa49dc
- Bitcoin Verstehen mit Philip Salter (CTO Genesis Digital Assets) https://open.spotify.com/episode/2bot4uqjz9LDxnYWPs1c5S?si=fb5f5f5009254a12
- Finanzfluss: Zu Gast René Pickhardt (Bitcoin Lightning Entwickler) https://www.youtube.com/watch?v=nGum6B1rC78

Sonstige interessante links zum Thema:
https://www.cnbc.com/2022/02/03/winter-storm-descends-on-texas-bitcoin-miners-shut-off-to-protect-ercot.html

https://www.heise.de/news/ModifiedElephant-Digitale-Ueberwachung-und-gefaelschte-Beweise-aus-einer-Hand-6510349.html

Die Konsequenzen eines Bitcoin-Verbots:

https://youtu.be/AIkICEUrVwU

Das ist nun erstmal genug, ich werde den Beitrag ggf. später noch ergänzen. Über einen regen Austausch würde ich mich freuen. Gerne natürlich auch, wenn mir jemand aufzeigt, welche Annahmen von mir falsch sind oder was man noch ergänzen könnte. Ich selbst bin nicht im Mining-Bereich tätig, genauso wenig im Energiesektor. In meinem privaten Umfeld setzt sich leider niemand intensiver mit Bitcoin auseinander, sodass hier schlecht jemand Kritik äußern kann zu meinen Annahmen.
2  Local / Off-Topic (Deutsch) / Depressionen und ihre Auswirkungen on: November 11, 2020, 08:51:03 AM
Ich möchte hier mal über ein Thema sprechen, welches rein gar nichts mit Bitcoin oder Finanzen zu tun hat. Mehr Off-Topic könnte es nicht sein. Es geht darum, wie der Thread Name schon sagt, welche Auswirkungen Depressionen sowohl psychisch, als auch physisch haben können. Mir ist bewusst, dass es einige hier geben wird, die damit rein gar nichts anfangen können und es sie auch nicht interessiert, trotzdem verfasse ich diesen Beitrag, da ich es für wichtig halte, mehr Menschen darauf aufmerksam zu machen. Mir geht es darum, Menschen bewusst zu machen, wie stark psychische Erkrankungen, im speziellen Depressionen den Geist und Körper lähmen können. Jeder der noch nicht in der Situation war, dies zu fühlen, wird es wohl nur schwer nachvollziehen können, wa verständlich ist. Allerdings ist dies ein Thema, welches ausnahmslos jeden Menschen betrifft. Nicht jeden Menschen in eigener Sache, aber ich bin überzeugt, dass 99,9% aller Menschen in ihrem Leben mit diesem Thema wohl oder übel in Berührung kommen werden. Denn erstes, kann jeder Mensch dem Zustand einer psychischen Erkrankung verfallen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit aufgrund seiner Genetik, seines Charakters, seiner Lebensweise + seinem äußeren Umfeld niedrig ist. Zweitens wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit jetzt gerade im Umfeld jedes Menschen jemanden geben, dem es psychisch schlecht geht. Es kommt jedoch in unserer Wahrnehmung maßgeblich darauf an, dass die Person sich dies eingesteht und offen kommuniziert, damit es präsent wird. Viele sind krank, wollen es sich aber nicht eingstehen. Andere hatten in der Vergangenheit Depressionen, die sie aber bis heute verschweigen. Gerade die unentdeckten + verschwiegenen Erkrankungen halte ich für die gefährlichsten, wenngleich auch die häufigsten Szenarien, die dazu führen, dass dieses Thema noch nicht in alle Köpfe vorgedrungen ist und die Wahrnehmung der Gesellschaft hierzu stark verzerrt ist. Auch wenn in den letzten Jahrzehnten große Gesellschaftliche Fortschritte stattfanden, sind wir noch nicht an dem Punkt, an dem wir sein sollten. Es gibt noch immer Menschen, die dieses Thema belächeln und meinen niemals selbst davon betroffen zu sein oder gar der Meinung sind, psychische Erkrankungen hätten etwas mit mentaler Schwäche zu tun. Wie wissenschaftlich eindeutig bewiesen ist, führen psychische Erkrankungen auch zu physischen Veränderungen in der Gehirnstruktur. Die Frage ist nur, welche Veränderung zuerst passiert. Ich bin mir nicht sicher, wo hier der aktuelle Stand der Wissenschaft ist, denke aber selbst, dass die physische Veränderung im Gehirn vor der psychischen Änderung des "Verhaltens" eintritt. Der Einfluss unseres Bewusstseins spielt hier eventuell eine viel kleinere Rolle, als wir annehmen. Desweiteren halte es für sehr wahrscheinlich, dass der Prozess der negativeren Denkweise und Grundeinstellung, zusammen mit der "Zerstörung" des natürlichen Glückshormonhaushaltes ab dem Punkt, an dem die physische Veränderung stattfand kaum noch beeinflussbar ist. Wenn man aber über dieses Thema bescheid weiß und wachsam ist, was sein Umfeld und sich selbst betrifft, kann der fortschreitende Prozess eventuell gestoppt werden.

Der Grund warum ich das schreibe, ist ehrlicherweise, weil ich selbst darunter mein ganzes Leben stark gelitten habe, es mir aber bis zum ca. 18. Lebensjahr nicht eingestanden habe und folglich auch keine Besserung eingetreten ist. Auch die Erkenntnis, offensichtlich psychisch krank zu sein, hat mich lange nicht dazu veranlasst, wirklich etwas zu ändern. Denn auch mit Freunden, die merkten, dass etwas nicht stimmte, konnte ich nicht sprechen, Hilfe nicht annehmen. Den Schritt zu professioneller Hilfe habe ich auch nicht gewählt, wenngleich es auch rein logisch die beste Entscheidung gewesen wäre, konnte ich nicht zugeben, ein Problem zu haben. Für mich waren zwar die Probleme anderer immer wichtig und ich konnte jede Angst und jedes Problem anderer nachvollziehen, meine eigenen Probleme habe ich allerdings im Vergleich zu denenen anderer immer als Schwäche gesehen. Als Außenstehender ist das natürlich höchst unlogisch, aber es war in meiner subjektiven Denkweise so.

Da ich nicht alle Probleme hier auflisten kann, will ich einen kleinen Überblick geben, worin meine Probleme lagen:

Mangelndes Selbstwertgefühl, da ich jegliche Leistungen die ich erbrachte, nie als meine wirkliche eigene Leistung sah, sondern die Resultate eher dem Zufall oder glücklichen Umständen zuschrieb.

Starke selbstzweifel, die sich in eigentlich starkem Perfektionismus äußerten, paradoxerweise aber dazu führten, dass ich einige Dinge nie mit viel Energie, Kraft und Ehrgeiz anging, da das Gefühl zu scheitern für mich bei viel „Investition“ viel stärker vorhanden war, wie wenn ich nicht viel Arbeit und Zeit aufgewendet habe. So konnte ich mich selbst rechtfertigen und sagen, dass ich es ja theoretisch gekonnt hätte, was leichter zu verkraften war als zu scheitern, weil meine Leistung nicht dem Ideal von 100% entsprach.

Innere Angst vor Ablehnung, was mich dazu brachte, es jedem recht machen zu wollen und nicht wirklich selbstbestimmt zu handeln.

Durch die anderen Faktoren war logischerweise mein Selbstbewusstsein auch im Keller.

Das Gefühl, ich würde meinen Problemen zu viel Bedeutung verleihen und ich hätte gar nicht das Recht, mich über solche Dinge zu beschweren. Gibt ja viel schlimmere Vorkommnisse, (Missbrauch, Gewalt in der Erziehung, physische Krankheiten, Hunger...) die ich nicht durchmachen musste.

Ich konnte nie erklären wie ich mich fühle, welche Sorgen & Probleme ich habe, mich richtig öffnen. Dadurch hatte ich auch starke Bindungsängste.

Mein verlangen nach dem Alkoholrausch stieg sehr stark, weil das dazu führte, mich ganz selten (vielleicht in 5% der Fälle, in allen anderen Fällen wurde es natürlich schlimmer) besser zu fühlen. Allerdings stiegen mit den Räuschen auch die Filmrisse, was mit Sicherheit nicht nur rein genetische Ursachen hatte. Die Konsumhäufigkeit in Kombination mit der Depression wird das ganze verstärkt haben. Eventuell auch verursacht durch eine schleichend beginnende Abhängigkeit.

Ich denke das sind die wichtigsten Punkte, wenn auch nicht alle. Was mir allerdings schwer fällt, ist zu verstehen, woher die Angst vor Ablehnung und der Drang nach Perfektionismus kam, da mir nie von Familienmitgliedern, Freunden oder Lehrern vermittelt worden ist, nichts zu sein. Gibt es Verhaltensweisen, die einfach angeboren und an den Charakter gekoppelt sind, oder ist es wahrscheinlicher, dass mein Gehirn aus Schutzreflex den eigentlichen Grund ausblendet?

Bedenkt immer eines, falls ihr Probleme durch Betäubungsmittel verdrängt: es gibt keine Substanz, die euch dauerhaftes Glück und innere Zufriedenheit verschafft, denn das resultierende Gefühl ist lediglich eine Illusion und wird auf Dauer in fast jedem Fall alles schlimmer machen! Zusätzlich hängt sich im schlimmsten Fall auch noch eine Abhängigkeit mit dran.

Kommen wir nun zum interessantesten Teil, nämlich den Symptomen, psychischer und physischer Natur:

Chronische Müdigkeit
Schlappheit
Antriebslosigkeit
Teilweise Schwindel, Übelkeit und Verstopfung
zwischen 17–18 Herzrhythmusstörungen, für die vom Hausarzt + Kardiologen keine physische Ursache gefunden wurde. (Eventuell waren es auch Panikattacken. Möglicherweise lag es auch nur am Wachstum, schwer zu beurteilen).
Verstärkte Hyperhidrose, die zwar meiner Meinung nach physisch bedingt ist, durch die Depression aber stark verstärkt wird/wurde.
Extrem starker Abfall der Kognitiven Leistung
Konzentrationsstörungen
Starke Verschlechterung des Gedächtnisses.
Mit am stärksten ausgepärgt und charakteristisch für eine Depression, das Gefühl, niemals zufrieden und glücklich sein zu können (starke Hoffnungslosigkeit, niemals "geheilt" zu werden)
Starke Probleme, mich mündlich richtig auszudrücken
Das Gefühl, verrückt zu werden

Das Ziel, warum ich das hier alles schreibe ist, dass ich hoffe, irgendwen damit erreichen zu können, der gerade selbst in der Situation steckt, und er sich von dem Gedanken einnehmen lässt, niemals aus dem Kreislauf ausbrechen zu können. Das nämlich, ist der allergrößte Fehler und schlichtweg ein Irrtum. Ich will natürlich nicht leugnen, dass es mir nicht auch selbst in gewissen Weise hilft, darüber zu schreiben. Also: selbst wenn 50 Leute hiermit nichts anfangen können und nur einer dabei ist, der sich hier wiedererkennt und sich dazu entschließt, Hilfe zu suchen, egal welcher Art, habe ich mein Ziel schon erreicht. Oder selbstverständlich auch, wenn jemand einen Freund, Bekannten, ein Familienmitglied etc. hier wieder erkennt und dadurch mehr Scharfsinn gegenüber diesem Thema entwickelt.

Mir hat es sehr geholfen, mich mit Philosophie und Psychologie auseinanderzusetzen, um meine Probleme zu erkennen und zu reflektieren. Auch wenn das natürlich nicht allein ausreicht, war es doch wichtig für mich. Trotzdem ist es natürlich extrem dumm gewesen, keine Hilfe von außen zu suchen und nicht darüber zu sprechen. So hat sich alles mit der Zeit immer mehr verfestigt und der differenzierte Blick einer neutralen Person fehlte.

Heute bin ich 23 Jahre alt und kann zum ersten mal sagen, dass ich zufrieden mit mir selbst und glücklich bin. Obwohl ich auch bisher nicht aktiv nach Hilfe gesucht habe. Falls ich allerdings wieder in alte Muster verfallen sollte, werde ich es definitiv ohne zu zögern tun. Denn die innere Einsicht, sich seinen Problemen zu stellen und offener damit umzugehen, ist die entscheidenste und Stärkste Waffe dagegen!

Jetzt komme ich zum positiven Teil, was hat sich seitdem verbessert:

Extrem gute Laune
Die Motivation ist in allen Lebensbereichen gestiegen
Ich habe mindestens doppelt so viel Energie
geringeres Schlafbedürfnis
Das Gehirn läuft gefühlt mit doppelt so viel Leistung als je zuvor.
Positive Lebenseinstellung, wodurch ich auch die Kleinigkeiten und Chancen im Leben wahrnehme.
Die Gedächtnisleistung wird langsam auch wieder besser.
Von den oben genannten Symptomen sind bis auf die Hyperhidrose und eine etwas schlechtere Gedächtnisleistung alle verschwunden.


Dinge die für mich wichtig sind in Bezug auf Zufriedenheit und Glück sind tiefgründige Beziehungen, egal um welche Beziehungen es sich handelt. Fragt euch mal selbst, wie oft sprecht ihr genau aus, was euch innerlich begeistert? Wie oft legt ihr eure innersten Wünsche, Träume und Begeisterungen anderen vor? Wie viele Dinge fallen euch ein, die ihr schon immer mal bestimmten Personen sagen wolltet, es aber nicht getan habt? Sind die Beziehungen die ihr zu Menschen führt, gut für euch? Trennt euch von toxischen Beziehungen sofort, falls ihr welche habt. Auch wenn die Intuition nicht immer ein Weiser Ratgeber ist, ist sie es für mich im Bezug auf andere Menschen und Glück schon. Wenn die Intuition sich richtig anfühlt, sollte man sie nicht länger hinterfragen. Wenn die Intuition einem sagt, dass einem ein Mensch nicht gut tut, dann vermeidet den Kontakt nach Möglichkeit ganz. Und wenn euch ein Mensch im tiefsten inneren nicht mag, dann denkt euch, dass jeder Mensch aufgrund seiner Genetik, seiner Erziehung, seiner bisherigen Erfahrungen, seinem Wissen, seiner Empathiefähigkeit und Emotionalität und seinem inneren Wertesystem vielleicht einfach in keinem eurer inneren Überzeugungen übereinstimmt. Seht es nicht als persönlichen Angriff. Ich denke jeder der wirklich er selbst ist, wird von der überwiegenden Masse eher gemocht, als nicht gemocht, weil Authentizität einfach auf jeden Menschen anziehend wirkt.

Was ich lange sehr stark unterschätzt habe, ist die hohe Bereitschaft von Verständnis, die einem andere Menschen entgegen bringen. Auch diesbezüglich war ich zu negativ eingestellt und habe mir weismachen wollen, dass niemand es verstehen würde, womit ich falsch lag.

Ich könnte hier noch ewig weiter schreiben, aber irgendwann muss es auch mal gut sein.

Was ich noch dringend sagen will: ich habe keine Ausbildung und auch kein Studium in diesem Bereich absolviert. Es sind lediglich eigene Ansichten, Möglichkeiten die Dinge zu interpretieren, Wissen, das ich durch Bücher, das Internet, Videos oder durch Gespräche mit anderen Menschen für mich verinnerlicht habe. Und wie logisch diese Sichtweise ist, ist völlig egal, entscheidend ist nur, wie man selbst damit zurecht kommt! Mag sein, dass dies hier für einige Schwachsinnig klingt, oder viele sich einfach nicht damit identifizieren können, was völlig in Ordnung ist. Mir ist auch egal, was andere darüber denken, denn es interessiert micht nicht mehr. Das ist der wichtigste Faktor! Ich wünsche mir, dass jeder Mensch diesen Punkt einmal im Leben erreicht. Seid ehrlich zu euch selbst und das Leben wird sich so stark zum positiven wenden, wie ihr es euch nicht ansatzweise vorstellen könnt!

Für Anregungen und niveauvolle Kritik bin ich jederzeit bereit. Falls jemand Fragen dazu hat, die er nicht öffentlich stellen möchte, kann er mich auch gerne per PN kontaktieren.

Zum Ende ein Spruch, den zwar jeder kennt und Hunderte male gehört hat, aber in diesem Spruch steckt doch so viel power, dass es sich immer lohnt, daran zu denken:

Believe in yourself!  Wink
3  Local / Suche / Kann gelöscht werden on: November 29, 2017, 06:06:10 PM
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