Interessantes Gedankenexperiment, aber das "allein durch Bitcoin besicher" ist für mich da ein ziemlicher Haken.
Wenn in 10 Jahren die 0,5 BTC mehr Wert sind als 100.000 EUR, dann wäre ich besser gefahren meine Bitcoin zu behalten. Und wenn in 10 Jahren 0,5 BTC weniger Wert sind als 100.000 EUR, dann bekomme ich ja auch nur das was die 0,5 BTC dann eben Wert sind, da keine anderen Sicherheiten zum verwerten da sind...
Als Darlehensgeber fahre ich damit doch schlechter, als wenn ich die BTC einfach behalte?!
Würdest du die andere Seite des Deals eingeben - d.h. Darlehensnehmer werden und dafür den NAV von 2 akzeptieren?
Schätzt du den Nutzten, den der Darlehnsnehmer dem Darlehen erhält, höher ein, als der Schaden aus dem höheren NAV?
Wenn du MSTR kaufst, bezahlst du einen Aufschlag (schlecht) und bekommst dadurch extra Kredit (gut), z.B. vom Darlehnsgeber (STRF) von dem der Darlehnsnehmer (MSTR) profitiert. Der Darlehensgeber ist STRF, der Darlehnsnehmer ist MSTR. Der Aktionär kauft MSTR zu einem NAV von über 1 und bekommt damit anteilig den Kredit der Vorzugsaktionäre, wie STRF. Je mehr "Dumme" (oder regulatorisch gefangene) MSTR findet, desto besser für MSTR und desto höher kann der NAV sein. Du zahlst einen NAV von über 1 als Bezahlung, dass MSTR "dumme" findet und du nicht.
- Ich bin davon ausgegangen, dass die 0,5 BTC für die Laufzeit irgendwie als Sicherheit beim Käufer verbleiben. Beide Bedingungen separat zu betrachten kann den Knoten aber durchaus lösen, denn wenn ich für die Besicherung des Darlehens bei BTC einen Abschlag von 50% annehme, also 2 BTC bräuchte um die 100k€ Darlehen zu besichern, dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Da wäre ich durchaus geneigt den Deal als Verkäufer einzugehen und könnte mir vorstellen, dass das für @virginorange auf der Käuferseite trotzdem noch attraktiv genug wäre. Spannende Folgefrage wäre für mich wie sich die Hinterlegung und spätere Freigabe der BTC technisch umsetzten ließe....
Der Zweck des Gedankenexperimentes war eine Veranschaulichung. wie sich MSTR an den Vorzugsaktionären bereichert. Diese Bereicherung hat einen Preis (NAV von über 1) bezahlst.
Zurück zum Gedankenexperiment: Ich bin unfähig meine Bitcoin selbst zu verwahren. Deswegen halte ich meine 3 Bitcoin auf Coinbase. Der Account läuft unter meinen Namen und ausschließlich unter meinem Zugriff. MaxMüller leiht mir 100.000 EUR. Ich
kaufe von Ihm hierfür
sofort 0,5 Bitcoin. Damit liegen nun 3.5 Bitcoin auf dem Account von Coinbase.
Übersicherung 7xSollte ich pleite gehen und Coinbase nicht, dann bekommt MaxMuller im Rahmen des Insolvenzverfahrens mit seiner jeweiligen Rangigkeit seine Insolvenzquote. Rückzahlung des Kreditbetrags erfolgt auch ohne Insolvenz nie, die
Kreditlaufzeit ist unendlich, ich zahle nur die
8% Zinsen von pro Jahr. Ich kann entscheiden die Zinsen auszusetzen, muss diese dann aber mit 15% Strafzinsen nach-bezahlen.
Ich würde in diesem Gedankenexperiment meinen Namen (analog zu Michael Saylor) veröffentlichen. Das Risiko, dass ich mich mit dem Geld davon mache ist sehr gering.
Ich wollte nochmal genauer erläutern, warum der Marktwert von MicroStrategy (MSTR) über dem Wert seiner Bitcoin-Bestände liegen kannIn diesem Abschnitt möchte ich eine These erläutern, die auf den ersten Blick paradox erscheinen mag: Warum eine Firma wie MicroStrategy mehr wert sein kann als die Bitcoin, die das Unternehmen hält. Der Schlüssel liegt nicht nur in der Performance von Bitcoin selbst, sondern in einem finanziellen Arbitrage-Geschäft und den sozialen Zwängen des traditionellen Finanzsystems.Das fundamentale Arbitrage-Geschäft: Billig leihen, teuer anlegenDer Kern des Geschäftsmodells lässt sich einfach zusammenfassen:
❶
Geldaufnahme zu niedrigen Zinsen: MicroStrategy (MSTR) nimmt Geld auf, indem sie Anleihen ausgibt oder Kredite aufnimmt. Nehmen wir an, sie kann sich zu einem effektiven Zinssatz von
10% pro Jahr finanzieren.
❷
Geldanlage zu hohen (erwarteten) Renditen: Dieses geliehene Geld investiert MSTR nicht in klassische Anlagen, sondern kauft damit Bitcoin. Bitcoin hat historisch betrachtet einen starken
Aufwärtstrend. Gehen wir von einer erwarteten annualisierten Rendite von aktuell
35% pro Jahr aus.
❸
Die Arbitrage: Die Differenz zwischen der erwarteten Rendite (35%) und den Fremdkapitalkosten (10%) beträgt satte
25% pro Jahr. Diese Differenz streicht MSTR ein und schafft so einen Mehrwert für die Aktionäre, der über das reine Halten von Bitcoin hinausgeht.
☞ Einfaches Beispiel: Leiht sich MSTR 100 Mio. USD zu 10% Zinsen p.a., kostet das 10 Mio. USD pro Jahr. Kauft sie dafür Bitcoin und erzielt damit 35 Mio. USD Wertzuwachs, behält sie nach Abzug der Zinskosten 25 Mio. USD Gewinn aus diesem Hebelgeschäft.
Warum kaufen die Kreditgeber nicht einfach selbst Bitcoin?Die Antwort liegt nicht in der Ökonomie, sondern in der
Soziologie großer Organisationen.
Jeder Mensch in einer großen Organisation (z.B. ein Fondsmanager einer Pensionskasse) spielt zwei Spiele gleichzeitig:
❶
Das sachliche Spiel ("Mensch gegen Natur"): Hier geht es darum, die
richtige Entscheidung zu treffen – also die Anlage mit der besten Riskiko-Rendite-Relation zu finden, in diesem Fall Bitcoin.
❷
Das soziale Spiel ("Mensch gegen Mensch"): Hier geht es darum,
akzeptiert zu werden und Karriererisiken zu minimieren. In großen Organisationen wird man nicht belohnt, wenn man mit exotischen, unkonventionellen Ideen (wie dem direkten Kauf von Bitcoin) Recht behält, sondern bestraft, wenn man damit scheitert – selbst wenn die Idee fundamental richtig war.
➤ Für einen Fondsmanager ist die Karriereentscheidung daher:
ⓐ
Bitcoin direkt kaufen: Ein extremes Abweichen vom Mainstream. Scheitert es (z.B. durch kurzfristige Volatilität), ist der Job sofort weg. Gelingt es, mag man belohnt werden, trägt aber das immense soziale Risiko, ein "Exot" zu sein.
ⓑ
MSTR-Anleihen kaufen: Eine Entscheidung innerhalb des akzeptierten Rahmens. MSTR ist ein börsennotiertes, reguliertes Unternehmen. Das Investment erscheint im Portfolio wie eine ganz normale Unternehmensanleihe oder -aktie. Man partizipiert indirekt am Bitcoin-Erfolg, ohne das soziale Risiko des "Abweichens" zu tragen. Im Erfolgsfall hat man eine bessere Performance als die Kollegen, im Misserfolg kann man sich darauf berufen, in ein standardisiertes Produkt eines bekannten Unternehmens investiert zu haben.
☞ Der institutionelle Anleger ist also in seinem Entscheidungsspielraum "gefangen". Er kann nicht das tun, was sachlich optimal wäre (Bitcoin kaufen), sondern nur das, was sozial und karrieretechnisch sicher ist. Genau diese Lücke nutzt MicroStrategy.
Welchen Mehrwert schafft MicroStrategy dadurch?MSTR positioniert sich als eine Art "Schleuse! zwischen dem traditionellen Finanzsystem mit seinem gefangenen Kapital und Bitcoin.
❶
Zugang zu billigem Kapital: MSTR kann sich dank dieser Nachfrage von institutionellen Anlegern vergleichsweise günstig refinanzieren.
❷
Zugang zu Bitcoin mit hoher Rendite: Sie kann das günstige Kapital in das potenziell hochverzinsliche Asset Bitcoin stecken.
❸
Wertschöpfung durch Arbitrage: Die Differenz zwischen den Kosten der Geldaufnahme und der erwarteten Rendite der Geldanlage ist der reine Gewinn, der an die Aktionäre von MSTR weitergegeben wird und den Unternehmenswert über den reinen Bitcoin-Bestand (Net Asset Value - NAV) hinaus steigert.
Fazit: Die Rechtfertigung der Prämie➤ Der Marktwert von MSTR kann also durchaus über dem Wert seiner Bitcoin-Bestände (NAV) liegen, weil das Unternehmen nicht nur ein reiner Bitcoin-ETF ist.
➤ Es betreibt ein aktives Finanzgeschäft, das von den strukturellen Ineffizienzen und sozialen Zwängen des traditionellen Finanzsystems profitiert.
➤ Solange institutionelle Anleger direktes Bitcoin-Investment scheuen, aber dennoch von der Rendite partizipieren möchten, wird es Nachfrage nach Produkten wie denen von MSTR geben.
➤ MicroStrategy kann sich diese Nachfrage bezahlen lassen (durch die Zinsdifferenz), was den Aktionären zugutekommt und den Kurs über den NAV treibt.
☞ Kurz gesagt: Du bezahlst nicht nur für die Bitcoins auf der Bilanz, sondern auch für das Geschäftsmodell von MSTR, an das "gefangene" Kapital der institutionellen Welt heranzukommen, das du als Privatperson nie würdest mobilisieren können.