P2P KrediteFände es durchaus erstrebenswert, wenn man versucht ein p2p Kreditwesen unabhängig von Banken zu etablieren. Wenn ich an Bondora & Co. denke gibt es da ja einige Angebote auf dem grauen Kapitalmarkt, mitunter auch nahe am Betrug. Fände es spannend da eine ehrliche Alternative zu schaffen, idealerweise natürlich auch noch privatsphäreorientiert und außerhalb der Kapitalmarktüberwachung....
Ich habe zwar einen konkreten Anwendungsfalls mit meiner Refinanzierung aber vom Kreditbetrag zu Aufwand lohnt sich das alleine nicht. Dennoch finde ich das Thema spannend weil man hier Wissen aufbaut und Geschäftsbeziehungen aufbaut, die zukünftige Geschäfte ermöglichen.
Im Idealfall:
- ziehen wir einen Vertragsentwurf aus der Schublade
- unterzeichnen den Vertrag
- Kreditnehmer überweist Bitcoin auf die Wallet des Kreditgebers i.H.v. 200% des Kreditbetrags
- Kreditgeber überweist SEPA-EUR instant zum Kredtinehmer
▶ 30 Minuten Abwicklungsaufwand. Beim Vertrauen fast 0 Ausfallrisiko.
Arbeitsstand:
- wir diskutieren über die Vertragsdetails - das dauert etwas
- wir haben ein implizites begrenztes Vertrauenswürdigkeits-Budget je nach Person (d.h. einer Person würde man 100€ anvertrauen, einer anderen 10.000 EUR).
Vertragsdetails: am Ende wäre es gut, ein standartisiertes Formular zu entwickeln, um den Aufwand der Vertragserstellung zu reduzieren.
Vertrauenswürdigkeits-Budget: Durch unsere Tätigkeiten (vom Posten hier im Forum, über P2P Handel bis hin zu Kreditverträgen) erhöht unser Vertrauenswürdigkeits-Budget zwischen den beiden beteiligten Personen (und evtl. auch ggü. Dritten durch Bewertung).
Ich würde deswegen auch Geschäfte machen, die sich aufgrund von Aufwand zu Nutzen bezogen auf das einzelne Geschäft nicht lohnen - quasi als Investition in zukünftige Möglichkeiten.
Übersicherung und ZinsWas den Abschlag zum Marktpreis angeht waren die 50% gemessen an der Coba Einwertung von Xetra-Gold für die Baufi. Letztlich hängen Risiko und Zinsen aber natürlich zusammen, also für Zinskonditionen eines Konsumentenkredites wären wohl auch 30% Abschlag i.O., 15-20% fände ich aufgrund der Kursentwicklung bei Gold dieses Jahr fast schon zu wenig.
Je mehr Sicherheit, desto niedriger der Zins und umgekehrt.
Zinsen für einen unbesicherten KreditMein zuletzt aufgenommener Konsumentenkredit (Laufzeit 10 Jahre) hatte eine Risikoprämie von 2,1% über 10-jährigen Bundesanleihen und das ohne Besicherung.
■ risikofreier Zins (für Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 2 Jahren): 2,2%
■ Kreditausfallrisiko wegen Zahlungsunfähigkeit (Risikoaufschlag für unbesicherte Kredite mit einer Laufzeit von 10 Jahren): 2,1%
▶ Summe: 4,3%
Wobei der Risikoaufschlag bei kürzeren Laufzeiten (z.B. 2 Jahre statt 10 Jahre) niedriger ist:
■ risikofreier Zins (für Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 2 Jahren): 2,2%
■ Kreditausfallrisiko wegen Zahlungsunfähigkeit (Risikoaufschlag für unbesicherte Kredite mit einer Laufzeit von 2 Jahren): 1,5%
▶ Summe: 3,6%
Ein Konsumentenkredit hat ja 0 Sicherheit. Eine Besicherung zu 100% (d.h. Abschlag von 0%) wären ja schon viel besser als beim Konsumentenkredit. Selbst wenn die Sicherheit 25% an Wert verliert, bleiben 75% Absicherung wenn der Kreditnehmer ausfällt.
Eigentlich müsste man für ein
gegebenes Sicherheitsniveau und eine
gegebene Laufzeit den erwarteten Verlust des Kreditgebers (und auch des Kreditnehmers) back-testen. Dabei käme z.B. heraus: 100% Absicherung führt zu einem erwarteten Sicherheitenverlust von 10%. Im Worst case haben wir 37% Sicherheitenverlust bei Gold gesehen. Aber i.d.R. hatten wir ja keinen worst-case, sodass der erwartete Verlust an Sicherheiten bei 5-10% liegen dürfte.
■ risikofreier Zins (für Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 2 Jahren): +2,2%
■ Kreditausfallrisiko wegen Zahlungsunfähigkeit (Risikoaufschlag für unbesicherte Kredite mit einer Laufzeit von 2 Jahren): +1,5%
■ Verlustminderung durch Sicherheiten (90% im Erwartungswert): -1,35&
▶ Summe: 2,35%
Dieser Zins ist aber gefühlt zu niedrig, denn wir haben zwei Kostenfaktoren zusätzlich ggü. einem Konsumentenkredit:
1.) Verwaltungsaufwand
2.) Kreditausfallrisiko wegen vorsätzlichem Betrug
und ggf. 3.) 5$-wrech-attack-Risiko
Natürlich ist die schlechtere rechtliche Durchsetzbarkeit ein zusätzliches Risiko ggü. einem Konsumentenkredit. Dieses Risiko tragen bei einem Abschlag von 0% allerdings beide Parteien in ähnlicher Höhe (Goldpreis steigt und Kreditgeber macht sich aus dem Staub, Goldpreis sinkt und Kreditnehmer macht sich aus dem Staub).
Auch die mangelnden Skaleneffekte bei der Verwaltung trifft Kreditgeber und Kreditnehmer gleicher Maßen. Die Bank hat eine Vorlage für die AGB und den Kreditvertrag. Wir müssen dies erst ausarbeiten.
Verwaltungsaufwand und Betrugsrisiko sind tatsächliche Kosten (und ggf. 5$-wrech-attack-Risiko), die man im ersten Schritt minimieren sollte. Hier ist Vertrauenswürdigkeit der Vertragspartner wichtig.
Ein Bitcon oder Gold-besicherter Kredit P2P hat zusätzliche Kosten durch geringere Effizienz der Prozesse. Ähnlich, wie physisches Gold teurer ist als XetraGold (dafür aber selbst verwahrt und ggf. anonym).
Übersicherung CobaDie Coba hatte meiner Meinung nach schlechte Konditionen bei Gold. Interactive Brokers macht einen Abschlag von 25%, wobei dann auch Zwangsliquidiert werden würde. Unklar, wie das die Coba handhabt.
Ich persönlich finde einen Abschlag von 37% ggü. Preis-Hochpunkt (höchster Drawdown seit dem Jahr 2000) für ziemlich sicher und 20-25% ggü. dem Preis-Hochpunkt (höchster Drawdown seit dem Jahr 2000 außer nach dem Auflösen der EUR-Staatschuldenkriese) für fair. Auch die Stabilisierung des Goldpreises seit Oktober spricht für eine starke Resilienz des Goldpreises.
Bei einem Abschlag von 37% wäre das Ausfallrisiko für den Kredtigeber nahe 0.
beidseitiges RisikoBeispiel: 100€ Kredit abgesichert mit 150€ Gold
■ Gold bleibt bei 150€ ▶ Kreditnehmer ist 50€ im Risiko
■ Gold +20% auf 180€ ▶ Kreditnehmer ist 80€ im Risiko
■ Gold -20% auf 120€ ▶ Kreditnehmer ist 20€ im Risiko
Die Übersicherung führt dazu, dass der Kreditnehmer asymmetrisch im Risiko ist. D.h. der Kreditnehmer hat oft ein hohes Risiko, während der Kreditgeber nur selten und dann auch nur ein geringes Risiko hat. Aus dieser Perspektive wäre es sinnvoller, etwas höhere Zinsen zu haben und weniger zu übersichern.
Eskalation PolizeiThema KYC wäre eine light Version (Kontonummer + Name aus Sepa-Überweisung) natürlich attraktiver für beide Seiten.
ABER: Im Streitfall wird die Polizei nich weiter helfen, weil nur zivilrechtliche Ansprüche vorliegen aber keine Strafrechtlichen Verstöße. Über die Bank bekommt man die Daten auch nicht raus, weil die auf den Datenschutz verweisen. Adressabfrage bräuchte man zumindest noch Geburtsdatum oder eine ggf. alte Meldeadresse.
Ergo läuft man Gefahr den Schuldner nicht zu finden. Hatte mal den Fall dass ich nem Schuldner sogar noch gerichtlichen Mahn- und Vollstreckungsbescheid zustellen konnte, bevor er verschwand. Am Ende wurde der Schuldner per Haftbefehl gesucht, aber ich hab die letzten 4 Jahre trotzdem nichts gehört, geschweige denn mein Geld bekommen.
Bei uns beiden wäre der Haftbefehl wohl leichter vollstreckbar, mit Familie und Haus läuft man nicht mehr weg.
Betrug oder Diebstahl wäre es nicht? Kann schon sein, dass der Polizei das egal ist. Aus eigener (teilweise auch indirekter) Erfahrung: geklaute Fahrräder, geklaute Umzugskartons und Körperverletzung ist der Polizei egal. Das wird auf ein Papier geschrieben und fertig ist, wenn man den Täter nicht direkt mitbringt.
Evtl. könnte man sein Geburtsdatum Doxen und eine alte Meldeadresse angeben als Mittelweg sozusagen.
DoxingFür mich müssten die Was-wäre-wenn Szenarien klar sein. Entweder die Möglichkeit zur Eskalation über unser Rechssystem, das würde dann aber wohl tatsächlich Doxing inkl. Adresse erfordern.
Doxing ist eine höhere Vertrauensstufe als 10.000 EUR offenes Risiko. 10.000 EUR verlieren ist am Ende fast egal. Ne Runde durchgefoltert zu werden und die Familie wächst dann mit ein paar Mitgliedern weniger auf ist wesentlich schlimmer.
Für Doxing wäre es gut, wenn man sich schon mehrfach getroffen hätte - evtl. im weiteren Verlauf auch mit Familie. Das würde mehr Vertragsmöglichkeiten mit Bitcoin ermöglichen.
Vor Ort hat man das Vertrauen (mit manchen Personen), aber vor Ort kennt keiner Bitcoin. Hier bietet sich die Besicherung mit Gold eher an.
Hier im Forum können alle mit Bitcoin etwas anfangen, aber mit (je nach Forumsmitglied) unterschiedlich hohen Vertrauen (Forumsmitglied seit letzter Woche mit 3 Beiträgen < langjähriges Mitglied < langjähriges Mitglied mit dem man schon mehrmals gehandelt hat < Freund seit Kindheitstagen aus deinem Dorf).
Grundsätzlich Doxing auch noch weitere Vorteile haben, wenn man sich gelegentlich trifft. Meine Kinder sollen ja smooth in die Ehe segeln können, wenn sie wollen. Eine meiner größten (potentiellen) Short-Positionen sind Ehemänner. Da könnte in 10-20 Jahren die ein oder andere Short-Position auftauchen, falls das hier vor Ort nix werden sollte.
Doxing macht nur Sinn, wenn wir dadurch außerhalb der wirtschaftlichen Sphäre einen gegenseitigen Nutzen haben bzw. man sich so gut versteht. Für 10.000 EUR allein sollte man sich nicht Doxen. Aber mit Folgegeschäften, evtl. einer Freundschaft oder ein kompetenter Ehepartner für eines der Kinder, das wäre ein Doxing schon wert.
Anpassung SicherheitenhöheBei BTC als Sicherheit könnte man ja z.B. einen Lightning Kanal aufmachen und die Sicherheit z.B. monatlich oder bei Bedarf anpassen. Dadurch werden die Schritte kleiner und der Schaden bei Vertragsbrüchigkeit überschaubarer.
Die Sicherheit monatlich anzupassen macht Sinn. Grundsätzlich ginge dies auch on-chain. Die Kosten sind ja aktuell niedrig. Lightning habe ich noch keine Erfahrung, habe aber schon gehört, dass dies recht aufwändig ist.
Eine Alternative zu Lightning mit günstigen Gebühren wäre noch Liquid Bitcoin (LBTC).
Es sollte aber nicht sofort eine Liquidierung erfolgen, wenn die Sicherheiten unzureichend sind.