Review meiner Kauf- und Verkaufsentscheidungen bei Bitcoin seit 2024Ich bin stark in Bitcoin und Gold investiert - auch unter Einsatz von Krediten. Hierfür habe ich hier im Forum zahlreiche Regeln entwickelt (z.B. die Trend-Funktion, Allokationshöhen etc.). Jetzt ist die Frage "hat das denn was gebracht?". Die vergangenen 2 1/2 Jahre waren geprägt von starken Kursbewegungen bei Bitcoin und Gold. Ich habe meine Bitcoin-Handels-Entscheidungen seit 2024 analysiert, in Phasen unterteilt und mit der tatsächlichen Kursentwicklung abgeglichen. Dieser Artikel soll mit Rückblick Fehler und Verbesserungsoptionen finden.Grundlegendes zur MethodikHier nochmal zum Hintergrund ein paar meiner Entscheidungskriterien erklärt:
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Bitcoin-Trendfunktion: Hierbei handelt es sich um eine statistische Schätzung des langfristigen Preistrends. Die Funktion berechnet einen "fairen" Preis auf Basis des Wachstums seit 2009. Die Formel lautet:
○ Trend(t) = exp(Intercept) · (t - Start)^growth
○ Liegt der Marktpreis deutlich unter diesem Trend, gilt Bitcoin als "günstig" und ich kaufe nach. Liegen wir deutlich drüber würde ich teilweise verkaufen.
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Kelly-Allokation: Diese Methode optimiert den Anteil des Portfolios, der in Bitcoin investiert wird. Sie berücksichtigt:
○ Den erwarteten Preisanstieg (Trendpreis in X Jahren)
○ Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Bitcoin (Lindy-Effekt)
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Volatilitäts-Targeting: Vor der Kelly-Allokation habe ich Volatilitäts-Targeting (2021-2024) gemacht. Ich habe ich mein Portfolio so gewichtet, dass jede Anlageklasse (Bitcoin, Aktien, Gold) einen ähnlichen Beitrag zur Gesamtvolatilität liefert - adjustiert um steuerliche Aspekte. Ziel war eine ausgewogene Risikoverteilung mit deutlich weniger Bitcoin-Risiko als unter Kelly.
Phase A: Der Einstieg (April bis Juni 2024)In dieser Phase hatte ich meine neue & höhere Bitcoin-Zielallokation definiert - auf Basis von Kelly statt volatilitäts-Ziel. Deswegen habe ich mein Depot aus Aktien und Gold verkauft, um Bitcoin zu kaufen.
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Auslöser: Diskussionen im Forum und eigene Berechnungen führten zu der Überzeugung, dass Bitcoin die höchste erwartete Rendite aller Anlagemöglichkeiten hat.
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Handlung: Ich habe mein gesamtes Portfolio umgeschichtet – Aktien und Gold wurden verkauft, Bitcoin gekauft.
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Bewertung im Rückblick: Das der Preis anschließend angestiegen ist, könnte auch Glück sein (Wahl von Trump, ETFs, Diskussion um strategische Bitcoin-Reserve).
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Was ich gelernt habe: Das Modell hat ermöglicht richtig stark in Bitcoin zu investieren, die Entscheidung war ok. Grundsätzlich wäre Gold oder Nasdaq nach Steuern besser über die letzten 2 Jahre gelaufen, aber das hätte ich damals nicht wissen können.
Phase B: Die Trump-Wahl und der verpasste Ausstieg (November 2024 bis Februar 2025)Die Wahl von Donald Trump und seine Ankündigung einer strategischen Bitcoin-Reserve für die USA führten zu einem starken Kursanstieg.
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Auslöser: Politische Entwicklungen, die regulatorische Erleichterungen versprachen. Der Bitcoinpreis steigt.
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Handlung: Hier hätte man verkaufen können. Mein Regelwerk sah vor, bei Trend + 300 Tagen zu verkaufen. Wir erreichten jedoch nur Trend + 285 Tage.
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Warum ich nicht verkauft habe: Meine Erwartung war, dass wir bis auf Trend + 500 oder sogar +750 Tage kommen. Die Verkaufszone Trend +300 Tage oder höher war noch nicht erreicht.
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Bewertung: Evtl. wurden Bitcoin durch AI-Aktien und Gold die Kapitalzuflüsse abgegraben. Evtl. hat die Trendfunktion aber auch aufgehört zu funktionieren, nachdem ich sie gefunden hatte.
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Was ich gelernt habe: Kann man Trend wie FAANG, Pharma während Corona, Rüstung nach dem Ukraine-Krieg oder AI(Ausrüster) erkennen und einen Aktienindex outperformen? Unklar, ob ich das schaffe. Das Depot hat zudem das Damokles-Schwert der Enteignung. Alle Ersparnisse im System sind, kannst du grundsätzlich jederzeit verlieren. Also grundsätzlich fühle ich mich in Bitcoin schon wohler als in Aktien auch ohne besonders hohe Rendite.
Eine große Überbewertung bei Bitcoin gab es nicht, also wäre ein Verkauf grundsätzlich auch nicht notwendig. Aber die Bitcoin-Treasury-Unternehmen waren schon in einer Blase (viele neue Unternehmen, hohe Multiple, Soziale Medien voll mit Hebelprodukten auf Treasury-Unternehmen). Diese Blase habe ich grundsätzlich auch gesehen, aber mir war es schade um die Kapitalertragssteuer. Meine MSTR-Aktien lagen bei 500 USD pro Aktie. Verkauft hatte ich dann erst zu 100 USD pro Aktie. Hier hätte ich ggf. MSTR trotz Steuer früher verkaufen sollen (vor Kapitalerhöhung durch MSTR und Mulitple-Kompression) und dafür Monero (technischer Verkaufsdruck vom Delisting) kaufen sollen.
Phase B2: Phase hoher Bewertung (März bis September 2025) Die hohe Bewertung erhöhte den Bitcoin-Anteil vom Gesamtvermögen und senkte die Ziel-Allokation gemäß Kelly.
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Auslöser: Bitcoin-Preis bleibt oben
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Handlung: Miene Risiko-Limite (Kelly und maximal-Allokation) verhindern wesentliche Käufe, ich kaufe DCA Bitcoin und mit dem Rest restlichen Ersparnissen kaufe ich Gold
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Bewertung: Diese Entscheidung war richtig. Mein System hat mir geholfen. Ich habe stark investiert bei mittelmäßiger Stimmung und nicht mehr wesentlich nachgekauft bei guter Stimmung.
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Was ich gelernt habe: meine Regeln waren nützlich
Phase C: Bitcoin wird wieder billig (Oktober bis November 2025)⓿
Auslöser: Die Trend-Funktion steigt weiter an. Der Bitcoin-Preis sinkt auf unter Trend * e^-0.3.
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Handlung: Ich habe erneut nachgekauft. Auch das war regelkonform.
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Bewertung: Im Nachhinein wäre es besser gewesen, in Phase D (Februar 2026) zu kaufen, da der Preis dort noch niedriger war. Aber das hätte man nicht wissen können. Aufgrund des hohen Trend-Wachstums von Bitcoin war es historisch falsch auf noch günstigere Preise als e^-0.3 zu waren. Die Kauf-Entscheidung war also nicht falsch.
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Was ich gelernt habe: Evtl. hätte ich etwas mehr Puffer für Nachkäufe im Bärenmarkt lassen können.
Phase D: Bitcoin wird noch billiger (Feb. 2026)⓿
Auslöser: Die Trend-Funktion steigt weiter an. Der Bitcoin-Preis sinkt weiter. Gold ist aber noch stark.
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Handlung: Ich habe erneut nachgekauft. Auch das war regelkonform.
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Bewertung: Höhere Gold-Preise erhöhten mein Gesamtvermögen und ermöglichten damit weitere Bitcoin-Käufe. Bitcoin billig, Gold teuer - "ich kaufe Bitcoin" klang für mich vernünftig.
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Was ich gelernt habe: Evtl. hätte ich Risiken bei Gold früher abbauen sollen.
Quantenrisiko – Risikomanagement oder Pro-Zyklik? (Februar 2026)Wegen der Bitcoin-Quantencomputer-Diskussion habe ich einen 5% Vorsichtstopf zurückgestellt.
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Auslöser: Die theoretische Möglichkeit, dass Quantencomputer die Verschlüsselung von Bitcoin für alte Adressen brechen könnten. Es gibt schon Totalverlustrisiken (Seed verloren, mangelnde Entropie, Quantencomputer)
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Handlung: Ich habe meine Bitcoin-Zielallokation um 5 Prozentpunkte verringert – für den Fall, dass Bitcoin scheitert und ein neues "Internetgeld" investieren müsste. Oder ich einen Fehler mache und einen Totalverlust erleide.
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Bewertung: Ich habe 5 Prozentpunkte Kauf-Reserve für Bitcoin gelassen, um günstig (d.h. < Trend * e^-0.3) nachkaufen zu können. Als wir dann günstig waren, habe ich nicht nachgekauft sondern die 5% Puffer gelassen. Ich hätte im Boom 10% Puffer lassen müssen. 5% für günstige Preise und nochmal 5% für nicht absehbare Risiken.
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Was ich gelernt habe: Evtl. sollte man im Boom mehr Puffer lassen und Kelly nicht voll ausnutzen auch wenn es rechnerisch optimal erscheint.
Phase E:Der Gold-Drawdown blockiert Liquidität zur Anlage (März bis Mai 2026)Meine Planung: Im schlimmsten geplanten Fall fällt Bitcoin um 100% und Gold um 37%. Um dann noch über die Anschlussfinanzierung zu kommen, muss ich meine Gehaltsüberschüsse für Kredittilgungen verwenden anstelle mehr Bitcoin und Gold zu kaufen.
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Auslöser: Nach Start des Iran-Kriegs verlor Gold 27 % (durch 2x Hebel lag der Depot-Drawdown bei über 50%).
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Handlung: DCA wurde stark reduziert, um Kredite zu tilgen.
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Bewertung: Ich habe gehandelt, wie geplant.
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Was ich gelernt habe: Meine Liquditätsplanung hat sich bewährt. Allerdings hat der Wertverfall bei Gold mein Gesamtvermögen reduziert und damit meine Bitcoin-Quote zu stark erhöht. Bei niedirgen Bitcoin-Preisen kann ich Bitcoin halten, aber Preisrückgänge bei anderen Vermögensgegenständen (hier: Gold) zeigte an, dass ich Bitcoin verkaufen sollte.
Phase F: Der Hedge-Fail – eine teure Lektion (Juni 2026)⓿
Auslöser: Als Iran die Ölanlagen in den Golfstaaten beschossen hat, war das für mich ein potentielles Covid-Ereignis an den Märkten und ich habe beschlossen Risiken zu reduzieren.
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Handlung: Statt Gold zu verkaufen (läuft oft gut bei Krieg) investierte ich in Ölaktien (ohne Bezug zum nahen Osten) und leer-verkaufte Fluggesellschaften (die wenig gegen höhere Kerosinpreise abgesichert waren).
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Ergebnis: Das Gegenteil trat ein. Fluggesellschaften stiegen um 30 %, Ölaktien fielen. Ich erlitt Verluste auf beiden Seiten meines Hedges. Zusätzlich verlor ich Geld durch den gleichzeitigen Gold-Drawdown. Verluste türmen sich auf und ich muss die Reißleine ziehen (sonst verliere ich zu viel von meinem Depot in einem Short-Squeze). Die Verluste aus dem Short habe ich abgedeckt durch einen Verkauf von MSTR (hier war ich sowieso unzufrieden mit dem Management).
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Was ich gelernt habe: Es hat sich wieder mal bestätigt: "ich bin kein guter Händler und schon gar kein guter Leerverkäufer".
Gesamtfazit: Was lerne ich aus diesen 2 1/2 Jahren?❶
Richtige Entscheidungen:
ⓐ Das System hat mir geholfen Käufe bei A, C und D durchzuführen und im Bereich B zu meiden.
ⓑ Ich habe Gold durch den Drawdown durchgehalten (von -27% auf nur noch -12%).
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Falsche Entscheidungen:
ⓐ Sicher falsch: Der "Hedge" mit Öl-Aktien und Fluggesellschaften hat nicht funktioniert. Ich hätte Gold verlaufen sollen.
ⓑ Evtl. falsch: Ich hätte in der Euphorie MSTR verkaufen sollen trotz Steuer-Nachteilen
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Verbesserungsoptionen:
ⓐ
Neue Regel für Bitcoin-Verkäufe:
- Bitcoin wird verkauft, weil Bitcoin seinen maximalen Anteil am Gesamtvermögen überschritten hat ausgelöst durch einen Preisanstieg von Bitcoin.
- Bitcoin wird nicht verkauft, obwohl Bitcoin seinen maximalen Anteil am Gesamtvermögen überschritten hat - ausgelöst durch einen Preisverfall vom nicht-Bitcoin-Vermögen.
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Zusätzlichen Puffer anlegen: Wenn Bitcoin scheitern sollte, dann wird es ein neues dezentrales Internet-Geld geben. Ich investiere 1/15 weniger in Bitcoin und lasse diesen Puffer für den potentiellen Nachfolger.
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Regeln helfen: Die ganze Struktur aus Liquiditätsplanung, Kelly und Vermögensgrenzen für Bitcoin inklusive Preisbewertung ggü. Trend hilft mir im Preis-Zyklus eine optimale Allokation zu fahren. So sind alle Fragen / Handlungsregeln schon vor der Krise geklärt.
Was würdet ihr denn verbessern?