Bitcoin vs. Monero im Backtest – Monero ist überraschend der SiegerIn meinem letzten Artikel habe ich verbal-logisch überlegt, warum Monero in meinem persönlichen Setup (Notgroschen, Überschuss-Speicher, Number-go-up) keinen zusätzlichen Nutzen über Bitcoin hinaus bringt. Ein Kauf war nur geplant, wenn ich während einer Bitcoin-Euphorie meine Kelly-Grenze überschreite. Jetzt habe ich rechnerisch für den Zeitraum ab 2021 die Performance von Bitcoin und Monero im Portfolio mit Gold durchgerechnet – und Monero hat sehr gut abgeschnitten.Methode und AnnahmenUm die Frage zu klären, ob eine Beimischung von Monero sinnvoll sein kann, habe ich verschiedene Portfolio-Zusammensetzungen aus
Bitcoin,
Monero und
Gold einem Backtest unterzogen. Dazu habe ich folgende Regeln definiert:
❶ Start am 01.01.2021 mit 100 €.
❷ Tägliches Rebalancing: Jeden Tag wird so umgeschichtet, dass die angestrebte prozentuale Aufteilung (z.B. 66% Bitcoin, 34% Gold) wiederhergestellt wird. Steigt also Bitcoin und fällt Gold, wird Bitcoin verkauft und Gold nachgekauft.
❸ Laufzeit bis zum 04.03.2026 (ca. 5,17 Jahre).
❹ Kreditzins für gehebelte Positionen: 10 % p.a.
❺ Vereinfachungen: Keine Steuern, keine Transaktionskosten, keine Handelslimits, sofortige Ausführung. Diese Annahmen sind zwar unrealistisch, bevorzugen aber weder Bitcoin noch Monero systematisch.
Gemessen habe ich drei Kennzahlen:
ⓐ
Jährliche Rendite (mehr = besser)
ⓑ
Maximaler Drawdown (mehr = schlechter). Der Drawdown gibt an, wie stark der Wert des Portfolios zwischenzeitlich vom Höchststand gefallen ist – also das Risiko, zum ungünstigsten Zeitpanik verkaufen zu müssen.
ⓒ
Verhältnis Rendite / Drawdown (je höher, desto mehr Rendite wurde pro eingegangenem Risiko erzielt).
Die Erkenntnisse aus der TabelleDie Tabelle zeigt für verschiedene Aufteilungen die Ergebnisse. Ich habe sie in thematische Blöcke gegliedert und fasse die wichtigsten Punkte zusammen.
1. Gold allein vs. Gold mit Bitcoin● 100 % Gold lief im Testzeitraum außergewöhnlich gut: 21 % Rendite bei nur −20 % Drawdown.
● Sobald man Bitcoin beimischt, steigt zwar die Rendite leicht, aber der Drawdown nimmt überproportional zu. Die beste Rendite (26 %) wird bei 44 % Bitcoin erreicht – allerdings mit einem Drawdown von −46 %. Das Risiko-Rendite-Verhältnis verschlechtert sich deutlich.
☞ Fazit: In diesem speziellen Zeitraum brachte Bitcoin allein, gemessen an Rendite und Risiko, kaum Mehrwert gegenüber reinem Gold.
2. Gold mit Monero● Schon 1 % Monero verbessert die Rendite (von 21 % auf 22 %) und senkt gleichzeitig den Drawdown minimal.
● Das optimale Verhältnis aus Rendite und Drawdown liegt bei 14 % Monero: 27 % Rendite bei nur −20 % Drawdown. Das ist ein Spitzenwert von 135 % für Rendite/DD.
● Die maximale Rendite (32,55 %) wird mit 49 % Monero erreicht, allerdings steigt dann auch der Drawdown auf −42,3 % an.
☞ Fazit: Monero ergänzte Gold im Testzeitraum gut (und besser als Bitcoin) – es steigerte die Rendite, ohne das Risiko wesentlich zu erhöhen.
3. Gold, Monero und Bitcoin gemeinsam● Sobald man zu einem guten Gold-Monero-Portfolio (z.B. 14 % Monero, 86 % Gold) auch nur 1 % Bitcoin hinzufügt, bleibt das Verhältnis Rendite/DD nahezu gleich – es wird nicht besser.
● Ersetzt man einen Teil des Monero durch Bitcoin (z.B. 6 % BTC, 47 % XMR, 47 % Gold), kann man die Rendite leicht steigern aber das Risiko-Rendite-Verhältnis sinkt deutlich.
☞ Fazit: Wer bereits Gold und Monero hält, konnte durch Bitcoin im Testzeitraum kaum profitieren.
4. Mit Kredithebel (Depotkredit)Gold hat eine gute Renite bei wenig Drawdown, damit eignet sich XetraGold zur Nutzung eines Kredithebels. Wir bekommen mehr Drawdown für mehr Rendite. Damit ist der Kredithebel eine Alternative zu Bitcoin/Monero (betrachtet allein aus der Number-go-up Perspektive). Um die Wirkung von Monero auch in gehebelten Szenarien zu testen, habe ich Portfolios mit Kreditaufnahme simuliert. Dabei wird Gold beliehen (z.B. 200 % Gold, d.h. 100 % Kredit).
● Reines Gold mit Hebel (200 % Gold, 100 % Kredit) bringt 30 % Rendite, aber einen Drawdown von −43 %.
● Ersetzt man einen Teil des Goldes durch Monero (23 % XMR, 154 % Gold, 77 % Kredit), verbessert sich die Rendite auf 37,4 % und der Drawdown sinkt auf −35,2 %. Das Verhältnis Rendite/DD steigt von 70 % auf 106 %.
☞ Fazit: Auch beim Einsatz von Fremdkapital hilft Monero, das Risiko zu senken und die Rendite zu steigern. Bitcoin bringt auch hier keinen zusätzlichen Vorteil.
5. Ausgangslage: 2/3 Bitcoin, 1/3 GoldNehmen wir mal an wir haben doppelt so viel Bitcon, wie Gold. Z.B. wegen der Kelly-Formel 66% in Bitcoin und der Rest in Gold.
● Das reine Bitcoin-Gold-Portfolio (66/34) erzielt 25 % Rendite bei einem Drawdown von −60,3 %.
● Tauscht man 5 % des Bitcoin-Anteils gegen Monero (61 % BTC, 5 % XMR, 34 % Gold), sinkt der Drawdown auf −58,7 % und die Rendite steigt auf 26,3 %. Das Verhältnis Rendite/DD verbessert sich von 41 % auf 45 %.
● Bei 20 % Monero (46 % BTC, 20 % XMR, 34 % Gold) steigt die Rendite auf 30 %, der Drawdown fällt auf −53,9 % – eine deutliche Verbesserung.
☞ Fazit: In einem stark Bitcoin-lastigen Portfolio verbessert eine Beimischung von Monero die Kennzahlen spürbar.
6. Einfluss der Rebalancing-StrategieIn der Praxis rebalanciert man nicht täglich, das macht zu viel arbeit und belastet das Bankkonto. Ich habe daher Varianten mit lockereren Regeln getestet, immer ausgehend von 61 % BTC, 5 % XMR, 34 % Gold:
● Ohne jedes Rebalancing (einfach halten) fallen Rendite und Rendite/DD deutlich.
● Eine reine Monero-Schwellenstrategie (nur umschichten, wenn Monero unter 3 % oder über 8 % fällt) ist kaum schlechter als ein tägliches Rebalancieren bei deutlich weniger Aufwand und Kosten.
● Ergänzt man diese Regel um ein Rebalancing von Gold (bei <28 % oder über 40 % Anteil), erreicht man fast deutlich bessere Kennzahlen.
Was bedeuten diese Ergebnisse für die Praxis?Die Berechnungen zeigen, dass Monero im Testzeitraum (2021–2026) überraschend gut abgeschnitten hat. Es konnte in fast allen Portfolios die Rendite steigern und gleichzeitig das Risiko (Drawdown) senken – oder zumindest das Verhältnis beider verbessern. Bitcoin hingegen fiel vor allem durch seinen hohen Drawdown auf und brachte in Kombination mit Gold und Monero kaum zusätzlichen Nutzen.
Natürlich ist die Vergangenheit kein sicherer Indikator für die Zukunft, aber die Berechnungen lassen Monero schon in einem positiven Licht dastehen. Für mein persönliches Portfolio leite ich daraus folgende Überlegungen ab:
❶
5 % Monero-Beimischung sind vertretbarAusgehend von einem 66/33-Bitcoin/Gold-Portfolio würde ich 5 % des Bitcoin-Anteils durch Monero ersetzen. Das verbessert die Risiko-Rendite-Kennzahlen, ohne das Gesamtportfolio fundamental zu verändern.
In meiner Liquiditäts-Buchhaltung erwarte ich 100% Drawdown von Bitcoin/Monero und 37% Drawdown für Gold, immer dann wenn ich Liqudität brauche. Von Bitcoin teilweise nach Monero umzuschichten bringt mir rechnerisch nichts. Diese Annahme ist etwas konservativ (aber nütztlich so muss ich Bitcoin/Monero nie im Bärenmarkt verkaufen). Dennoch habe ich durch die Beimischung von Monero im Liquiditäsbedarfsfall auch die Option Monero statt Bitcoin zu verkaufen. Und es kann sein, dass Monero gerade eher teuer ist während Bitcoin eher günsitg ist.



❷
Mean-Reversion-TopfMonero zeigt eine hohe Volatilität und eine Korrelation zu Bitcoin von etwa 0,6. Das macht ihn interessant für eine Mean-Reversion-Strategie: Bei Monero-Spikes (starker Anstieg) kann man einen Teil verkaufen, bei FUD (Panik) nachkaufen. Wegen der Haltefrist (von einem Jahr in Deutschland) sollte man ausreichend große Bandbreiten für das Rebalancing wählen, damit zwischen Käufen & Verkäufen stets genügend Zeit liegt.
❸
Praktische UmsetzungDer Umgang mit Monero ist aufwendiger als mit Bitcoin: Kauf über Bisq (gegen Bitcoin), Verwahrung auf einer separaten Wallet (z.B. mit BIP 85 abgeleitet), keine direkte Anbindung an die Hardware-Wallet. Daher werde ich zunächst mit kleinen Beträgen experimentieren, um den Workflow zu testen, und später auf 5 % aufstocken.
❹
Warum nicht mehr als 5 %?Rein rechnerisch wäre ein höherer Anteil (z.B. 14 %) optimal gewesen. Aber ich gewichte auch subjektive Faktoren:
ⓐ Langfristig (10+ Jahre) traue ich Bitcoin wegen Netzwerkeffekten und institutioneller Akzeptanz mehr zu.
ⓑ Technische Risiken (Quantencomputer, Regulierung) betreffen beide, aber bei Monero ist die regulatorische Lage unsicherer (Delisting, Privacy-Fokus).
ⓒ Mein persönliches Vertrauen in die eigene Infrastruktur ist bei Bitcoin höher.
FazitDer Backtest überrascht positiv: Monero war in vielen Kombinationen Bitcoin (bezogen auf Rendite und Drawdown) überlegen. Besonders in Verbindung mit Gold glättete es die Rendite und reduzierte das Risiko. 5% Monero würde mich also nicht nicht umbringen.
Manche Phasen entwickelt sich der Preis von Monero besser, in anderen Phasen ist Bitcoin stärker, das spricht für eine Beimischung. Monero ist also nicht immer besser, das spricht gegen ein all-in Monero.

Ich fand deine Ausführung plausibel, aber wenn du Lust hast XMR zu kaufen und zu unterstützen, sollte dann die Frage nicht eher sein:
Wieviel BTC kann man durch Monero substituieren ohne nennenswerten "Schaden" anzurichten?!
...
Wenn du fundamental von XMR überzeugt bist, spricht für mich nichts dagegen etwas BTC durch XMR zu substituieren (zumal in deiner Betrachtung die Gewichtung von Krypto nach Kelly ja ohnehin recht hoch ist)...
Ich bereite gerade die Grundlagen vor, ein Hodln von Monero zu ermöglichen. Falls noch jemand Lust auf Monero hat, anbei mein Vorschlag, wie ich Monero verwahren würde.
Mein Plan Monero sicher zu verwahren
Bevor ich Monero kaufe, muss ich klären, wie ich meine Coins überhaupt selbst verwahre. Nachfolgend habe ich meinen Plan aufgeschrieben. Das Ziel ist, eine sichere und für mich praktikable Lösung zu finden, bei der die Hardware uninteressant aussieht und meine Anschrift geschützt bleibt.