Soll ich Bitcoin mit Monero diversifizieren?Ich habe mich gefragt, ob ich mein Portfolio, das bisher hauptsächlich aus Bitcoin und XetraGold besteht, um Monero erweitern soll. Anbei findet ihr meine Gedanken hierzu:Warum der langfristige Wert der meisten Kryptowährungen 0 ist, Monero aber nicht.Bevor ich über eine Beimischung nachdenke, muss ich klären, ob Monero überhaupt eine langfristige Daseinsberechtigung hat oder ob es, wie die meisten Altcoins, langfristig gegen Null tendiert.
❶ Es gibt Platz für Internet-Geld.
Eine arbeitsteilige Gesellschaft braucht Geld. Damit dieses Geld nicht von Machthabern manipuliert werden kann, muss es dezentral sein und auf Proof of Work basieren. Zentrales Geld setzt voraus, dass alle Herrschenden langfristig vollkommen selbstlos handeln – eine unrealistische Annahme. Gold ist seit Jahrtausenden eine Lösung. Nun gibt mit Bitcoin eine digitale Alternative, die für Privatpersonen dem Gold bei Transport, Teilbarkeit und Verifizierbarkeit überlegen ist.
...durch unser technologisches Niveau wird die Menschheit zwangsläufig dezentrales selbstverwahrtes Internet-Geld verwenden.
❷ Netzwerkeffekte führen zu Monopolen
Bitcoin hat die Miner, die Hardware-Wallets, die Börsen, die ETFs, die Futures, die Optionsmärkte, die Treasury-Unternehmen und auch die Marke. Je größer ein Netzwerk, desto stärker der Anreiz aller Beteiligten den Marktführer zu unterstützen, was den Marktführer weiter stärkt. Das spricht eigentlich für ein Monopol.
Beispiele für natürliche Monopole:
- 1 Wertpapier handelt zu 90% auf Börse 1 und zu 10% auf Börse 2. Wo gehst du hin? Natürlich auf Börse 1.
- Nehmen wir an wir hätten 2 identische Facebooks mit 90% und 10% aller Menschen. Wo meldest du dich an? Wo schaltest du Werbung? Wo bewirbst du dich um einen Job?
- Ich bin auf WhatsApp weil alle auf WhatsApp sind. Für meine Familie bin ich auf Signal. Aber alle nicht-Familien-Dinge laufen über WhatsApp, weil dort nun mal alle sind.
➤ Gibt es Ausnahmen von dieser Regel?
Windows dominiert den Desktop-Markt, trotzdem existieren Linux-Distributionen wie Ubuntu oder Tails. Der Grund: Sie bedienen eine Nische mit einem anderen Trade-Off. Tails ist weniger komfortabel, aber dafür sicherer. Wer maximale Privatsphäre braucht, nimmt dafür Umstände in Kauf.
Monero ist genau das: Bitcoin mit dem Trade-Off Privatsphäre gegen geringere Netzwerkeffekte. Monero funktioniert, wird genutzt und hat durch diese Nutzernachfrage einen Preisboden. In der Nische "dezentrales,
privates Internet-Geld" ist Monero der Marktfüher – auch wenn diese Nische kleiner ist als die von Bitcoin und die Dominanz von Monero in dieser Nische schwächer ist als die Dominanz von Bitcoin in seiner Nische.
❸ Monero wird überleben.
Viele Menschen wünschen sich aus unterschiedlichen Gründen Privatsphäre, was Monero eine natürliche Nachfrage beschert. Es ist erprobt, wird aktiv weiterentwickelt und hat eine stabile Community. Die Wahrscheinlichkeit, dass Monero in den nächsten Jahren verschwindet, schätze ich als sehr gering ein.
Die drei Ziele für meine ErsparnisseUm zu beurteilen, ob Monero in mein Portfolio passt, muss ich mir meine eigenen Anlageziele klar machen. Ich unterscheide drei Zwecke:
❶ Notgroschen (Krisen-Versicherung)
In schlechten Zeiten verlierst du deine Bankverbindungen, nur dein selbstverwahrter Notgroschen bleibt.
Mein Girokonto und mein Depot sind lediglich Zahlen auf zentralisierten Computern, die von Personen kontrolliert werden, denen ich egal bin. Zusammengehalten wird dieses System durch Gewohnheit, Ruf und Buchstaben auf Papieren (Gesetzten und Verträgen). Ich kontrolliere weder, wie die Buchstaben auf Papier verändert werden (Legislative) noch kontrolliere ich die Auslegung (Judikative) noch die Menschen mit Waffen (Exekutive), welche die Entscheidungen tatsächlich durchsetzen.
Die Aussage "Ich spare in Zahlen auf fremden Computern mir unbekannter Personen. Das ist ziemlich sicher, weil Buchstabe auf Papier sagt das." zeigt, wie fragil das ganze System ist. Deine Ersparnisse sind verloren, wenn auf der Vermögenskette zwischen dir und deinen Ersparnissen ein Teil von einer feindlichen Gruppe kontrolliert wird.
Kaskadenrisiko durch jurisdiktionale Vermögensketten an einem Beispiel erklärt:
1. Deutschland
- Subjekt: Deutscher Eigentümer
- Besitzt: Ein Depot in Irland (Interactive Brokers)
2. Irland
- Asset: Depot
- Hält: Aktien einer britischen Aktiengesellschaft (AG)
3. Großbritannien
- Rechtsträger: Britische AG
- Besitzt: 100 % der Anteile einer deutschen GmbH
4. Deutschland
- Rechtsträger: Deutsche GmbH
- Besitzt: Einen LKW in Polen
5. Polen
- Physisches Asset: LKW (operativ genutzt)
➤ Probleme in einem einzigen Land zerbrechen die Kette an Vermögensansprüchen
Beispiele für finanzielle Ausgrenzung gab es in den letzten Jahren vereinzelt (einige Russen, der Richter Nicolas Guillou vom Internationalen Strafgerichtshof, protestierende kanadische LKW-Fahrer oder Mitglieder der Identitäre Bewegung). Wer den Mächtigen nicht besonders stark auf die Nerven geht, der darf aber aktuell das Banksystem nutzten. Hstorisch gab es immer wieder Konflikte, bei denen Menschen nicht wegen ihres individuellen Verhaltens, sondern wegen ihrer Gruppenzugehörigkeit (Ethnie, Religion, wirtschaftlicher Schicht, politische Orientierung) ihr Vermögen verloren. Das Banksstem funktioniert, solange nichts groß schief geht.
Als selbstverwahrter Notgroschen dient traditionell Gold. Selbstverwahrte Bitcoin lassen sicht ggü. Gold besser verstecken, besser tranportieren und durch bessere Teilbarkeit und Verifizierbarkeit besser (indirekt über Fiat-Geld) in benötigte Güter umtauschen.
❷ Überschussspeicher (Wertaufbewahrung für spätere Anschaffungen)
Beispiel: Ich habe heute Geld übrig und möchte in 15 Jahren mein Kind beim Hauskauf unterstützen. Hier suche ich einen bequemen Inflationsschutz für normale Zeiten. Dafür eignen sich XetraGold oder ein MSCI-World-ETF. Diese Produkte bieten aber keinen Schutz für den absoluten Krisenfall, da sie nicht selbstverwahrt werden können.
Bei Bitcoin sind Notgroschen und Überschussspeicher identsich (anonym gekauft & selbst verwahrt). Bei Gold sind es zwei verschiedene Produkte (Goldmünze im Tresor vs. XetraGold im Depot).
❸ Number-go-up (Renditeerwartung)
Wir kaufen mehr von dem Vermögensgegenstand, von dem wir die höhere Rendite erwarten. Das Kelly-Kriterium hilft, die optimale Allokation zu quantifizieren.
Prüfung: Ist Monero eine sinnvolle Beimischung?Jetzt prüfe ich für jedes meiner drei Ziele, ob eine Beimischung von Monero einen Mehrwert bietet – oder ob ich besser bei Bitcoin und XetraGold bleibe.
❶ Notgroschen: Bitcoin + XetraGold reichen aus.
Ein möglicher Mehrwert von Monero wäre, wenn es in einer Krise, die Bitcoin hart trifft, stabil bliebe. Drei Szenarien:
ⓐ Bitcoin-spezifisches Problem (z.B. Korruption / Missmanagement):
Halte ich für extrem unwahrscheinlich, da Bitcoin kaum Management hat und auf stabilem Code basiert.
ⓑ Regulatorische Krise:
Ein schlechteres regulatorisches Umfeld würde sowohl Bitcoin als auch Monero treffen.
ⓒ Quantencomputer:
Beide müssen das Problem lösen. Monero kann sich zwar dynamischer anpassen, hat aber auch eine größere Herausforderung.
➤ Wenn eine Krise den gesamten Markt für Internet-Geld erfasst, ist XetraGold der bessere Diversifikator. Ich kann XetraGold dann verkaufen und günstig Bitcoin oder Monero nachkaufen.
Fazit: Als Notgroschen bringt Monero keinen Zusatznutzen.
❷ Überschussspeicher: Gleiche Risikotreiber, wenig Diversifikation.
Bitcoin mit XetraGold zu mischen ist sinnvoll, weil die Risikotreiber unterschiedlich sind
Monero und Bitcoin teilen sich die gleichen Risikotreiber: Regulatorik, Quantencomputer. Eine Beimischung von Monero zu Bitcoin reduziert das Risiko daher kaum. Monero und Bitcoin sind durch diese Risiken beide unterschiedlich stark aber beide negativ betroffen.
Eigenschaft Bitcoin XetraGold Goldbarren Monero
Selbstverwahrt x . x x
Liquide x x . x
Begrenzter Wertverlust . x x .
Fazit: Als Überschussspeicher bringt Monero ggü. Bitcoin keinen Diversifikationsvorteil.
❸ Number-go-up: Bitcoin dürfte stärker steigen.
In der Vergangenheit hat sich Monero schlechter entwickelt als Bitcoin. In den letzten 1-2 Jahren hat sich dieser Trend zwar stabilisiert, aber ich gehe davon aus, dass Bitcoin bisher einen kleineren Teil seines "Total Addressable Market" erobert hat als Monero. Daher erwartete ich bei Bitcoin eine perspektivisch eine höhere Rendite.
Fazit: Die Beimischung von Monero würde meine erwartete Rendite schmälern.
Die schmerzhafte ErkenntnisIch habe Lust, Monero zu kaufen. Es ist ein gutes Projekt mit einer wichtigen Mission und sollte unterstützt werden. Aber für meine persönlichen Ziele – Krisenvorsorge, langfristiger Wertspeicher und Rendite – bringt eine Beimischung von 1-5% vermutlich keinen Mehrwert:
☞ Der zusätzliche Arbeitsaufwand übersteigt den Nutzen.
☞ Die erwartete Rendite ist geringer als bei Bitcoin.
☞ Die Risikodiversifikation ist minimal, weil Monero die gleichen Risikotreiber hat wie Bitcoin.
☞ Die Alternative (mehr XetraGold) bietet echten Diversifikationsnutzen.
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Mein Fazit: Ich bleibe bei Bitcoin und XetraGold. Sollte Bitcoin in Zukunft deutlich steigen, werde ich einen Teil der Gewinne nutzen, um die Monero-Entwickler direkt per Spende zu unterstützen. Das hilft dem Netzwerk mehr, als wenn ich einen kleinen Teil meines Portfolios in Monero halte.
Wie sind eure Gedanken zu Monero? Habe ich etwas übersehen?