Ich halte das mit dem allgemeinen Sparlimit nicht nur für unwahrscheinlich, sondern für komplett ausgeschlossen, wenn nicht irgendeine Hardcore-Stalinistische Wirtschaftsordnung angestrebt werden sollte ...

Wenn Sparen limitiert wird, funktioniert der Kapitalismus nicht mehr so wie vorgesehen. Die Idee hinter Sparen ist ja, dass die Banken das Kapital nutzen, um in gewinnbringende Assets zu investierten, und davon einen kleinen Teil an die Sparer zurückgeben. Wenn jetzt aber Sparen limitiert wird, wird den Banken Kapital vorenthalten. Man könnte auf die Idee kommen, die Bürger sollten dann eben dazu gebracht werden, in Aktien und ETFs direkt zu investieren. Aber auch da würden die Banken massivst leiden. Zudem wäre das aus Sicht eines Wirtschaftsraums wie der EU die nun mal nicht das Zentrum der Weltfinanz ist komplett kontraproduktiv im Sinne der Stärkung der eigenen Wirtschaft ...
Die Frage ist, ob es - 20 Jahre fast forward - überhaupt noch Banken in dem Sinne gibt, wie wir sie heute kennen. Das Konto für den digitalen Euro hat man ja nicht bei seiner Hausbank sondern direkt bei der EZB, diese steuert also sowohl die Verrechnung des digitalen Euros als auch dessen Benutzbarkeit. Einen Bedarf an einer dezentralen Bank gibt es also in einem Szenario, in dem sich der digitale Euro durchgesetzt hat, nur mehr sehr eingeschränkt - allen voran für Spargeschäfte, die aus der derzeitigen Sicht mit dem digitalen Euro nicht möglich sind.
Aber ich stimme dir vollkommen zu: Kapitalismus funktioniert in so einem Setup nicht mehr. Die Frage ist aber tatsächlich, ob es den Kapitalismus in der Form, wie wir ihn heute kennen, leben und lieben/hassen, ebenfalls so noch gibt - und ob dazu überhaupt Bedarf besteht. (Klassische oder auch weniger klassische) Ökonomen wie A. Yang oder auch G. Standing vertreten ja bspw. die Ansicht, dass durch KI und Automatisierung ein Großteil der Jobs schlichtweg nicht mehr benötigt werden und dazu die Lösung ein universelles/bedingungsloses Grundeinkommen sein muss. Musk sieht das Ganze noch drastischer:
„AI and robots will replace all jobs. Working will be optional, like growing your own vegetables, instead of buying them from the store.“ (Oktober 2025)
„All jobs will be optional. There will be universal high income.“ (März 2026)
Durch diese Umverteilung gepaart mit keiner Notwendigkeit mehr auch tatsächlich Lohnarbeit zu erbringen, wären wir auch über das Zeitalter des Kapitalismus hinweg. Bei einem UBI, welches über die EZB ausgezahlt wird, ist dann sparen auch sicherlich nicht im Sinne des erfinders, da zu einem gewissen Grad auch "unfair".
Ist natürlich sehr futuristisch und von sehr vielen Faktoren abhängig - allen voran die Distruption des Arbeitsmarktes durch KI - aber ich halte es tatsächlich nicht mehr für ausgeschlossen.